ZWEITAUSENDSECHZEHN: Jahresrückblick

ZWEITAUSENDSECHZEHN: Jahresrückblick

ERKENNTNIS DES JAHRES

01] Alle sterben.

auch: So sad, Wrong!, Stay gay, Ich hab‘ ja nichts gegen Jahreszahlen, aber 2016!?

BEFLÜGELTE WORTE DES JAHRES

05]  Flower-Trauer-Trance

04] Clausflug

03] Fünf Autos, zwölf Menschen

02] Das Allerletzte

01] Pish-Posh!

nicht dabei: Blickdichtes Dickicht, Bergweh, Stabsstelle, Fräcker & Wänster, Naschbär, Beachbetterhavemymoney

ORT DES JAHRES

06] Reuterplatz – Berlin

05] Freilichtmuseum am Kiekeberg – Rosengarten-Ehestorf

04] Liebermann-Villa am Wannsee – Berlin

03] Windmühle – Bederkesa, Niedersachsen

02] Umgebauter Pferdestall – Rum Kogel, Mecklenburg-Vorpommern

01] Hardanger-Hochebene – Norwegen

fast dabei: Burg Bederkesa, M’Olfe – Berlin, Monbijouplatz – Berlin, BiBaBo – Waltershausen, Grunewaldsee – Berlin, Time Square – NYC, Schiffshebewerk – Niederfinow, Zerpenschleuse – Brandenburg, Frühjahrsmarkt – Hemmoor

STADT DES JAHRES

02] Bergen

01] New York City

fast dabei: Leipzig, Prerow, Waltershausen, Providence, Plau am See, Buxtehude

SPRUCH DES JAHRES

06] “Sie sind ja nicht unangenehm mit der Stimme.” – Dame bei Telefonat

05] “Du willst deine Umgebung gar nicht sehen?” – Mitarbeiter während Sehtest bei Ace & Tate

04] “Was macht der Eimer da?” – E.Schmücker am Neujahrsmorgen

03] “Ihr seht so frisch aus und strahlt so!” – Besitzerin eines Lieblingsrestaurants bei Begrüßung

02] “Vier Jahre zusammen? Das ist ja schon wie nicht mehr zusammen.” – R.Matthes‘ Reaktion im Beziehungsgespräch

01] “Der Mann hat eine Tüte über’m Arm, Mama.” – “Ja, das sind die Tütenmenschen.” Mutter mit Kind im See

nicht dabei: Was ist das für 1 life?; Sich so hart gönnen; Heute trage ich nur ein ganz kurzes Nervenkostüm; Viel Gegend um nichts; Wir gucken Youtube und Netflix, aber nicht das Fernsehen, was Oma hat; Es sind ein paar üble Gesichter an Bord

GESPRÄCH DES JAHRES

Am Dixiklostand auf der Zitadelle Spandau:

Besucherin: Entschuldigung, Sie nehmen Geld für die Dixis, reinigen Sie aber nicht? Da drin sieht’s schlimm aus.

WC-Dame: Nee. Naja.

WEISHEIT DES JAHRES

05] Keine Angst vor Wahlurnen.

04] In Niedersachsen sind Silvester und Advent dasselbe.

03] Ja und nein.

02] Queer statt Fear!

01] Einer Geschichte ihre Ecken und Kanten zu nehmen, bedeutet nicht, dass sie zwangsläufig rund wird.

nicht dabei: Schenkt dir das Leben Wein, mach’ Schaum draus.; Sonne macht noch keinen Frühling.

PERSÖNLICHKEIT DES JAHRES

01] –

nicht dabei: Terkel, Fjordpferd, Herr Weißgerber, Donald Trump, Burgtunte Roland

ENTDECKUNG DES JAHRES

05] Amerikanische Höflichkeit

04] Fjordlandschaften

03] Brillensortiment

02] Klappspaten

01] Autocampingurlaub

fast dabei: Freundschafts/Schwagerschaftswendung, Menschen im Gipsarm und in Knieschienen, Wahlprognosen, süchtig machende Duftseifen, Face Swap, Decathlon, Pokémon Go

GESCHENK DES JAHRES

01] Holzschlafgestell für das Automobil

statt: am Vortag in den Papiermüll geworfenen Karton vor der Haustür mit Notiz: Mich kann man auch zusammen falten

SONG DES JAHRES

10] Positron – Palace Winter

09] Starboy – The Weeknd

08] The Wheel – PJ Harvey

07] Love is blind – Låpsley

06] Fuck with myself – Banks

05] Thinking of him – Douglas Dare

04] Wings of love – LIV

03] One-Way ticket to breakdown – Okta Logue

02] White Water – EERA

01] Auld Wives – Bear’s Den

leider nicht und doch fast dabei: Ain’t your mama – Jennifer Lopez, die Songs der New York-Playlist, Love on the brain – Rihanna, Final Song – Mø, Protected – Keøma

ALBUM DES JAHRES

05] 22, A Million – Bon Iver

04] Island Songs – Olafur Arnalds

03] Joanne – Lady Gaga

02] In all that drifts from summit down – A Dead Forest Index

01] Long way home – Låpsley

fast dabei: The Crown: Season One (Soundtrack), Sorceress – Opeth, Heads Up – Warpaint, Diskographie von David Bowie & Prince

MUSIKVIDEO DES JAHRES

03] Big Cat – Wild Beasts

02] Get my bang – Wild Beasts

01] Lemonade – Beyoncé Knowles (HBO)

fast dabei: Ex’s & Oh’s – Elle King, Speeding Cars – Walking On Cars, Lost on you – LP, No broken hearts – Bebe Rexha feat. Nicki Minaj, Work from home – Fifth Harmony

VERANSTALTUNG DES JAHRES

05] Verdeckte Gefahren – Ein Leseabend / 04.Juni 2016, Feger, Berlin

04] Dillon & Choir / 28.September 2016, Großer Sendesaal des RBB, Berlin

03] Väterlicher 60.Geburtstag / 05.November 2016, Deysingslust, Berlin

02] Stadtwerkefest 2016 / 09.Juli 2016, Potsdam, Brandenburg

01] Himmelfahrt / 05.Juni 2016, Waltershausen, Thüringen

fast dabei: WWE live / 09.November 2016, Mercedes Benz Arena, Berlin; Juli im Advent / 18.Dezember 2016, Aquarium am Kotti, Berlin

FILM DES JAHRES

02] The Danish Girl

01] Vor der Morgenröte

fast dabei: Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind, Neuverfilmung von “Das singende klingende Bäumchen”

MEDIUM DES JAHRES

03] Spotify

02] Instagram

01] Netflix

fast dabei: Audible, Wochenzeitung, WWE Network, Arte Mediathek, Bücher vom Guggolz Verlag

FERNSEHSENDUNG DES JAHRES

05] Neo Magazin Royale – ZDF neo

04] Stranger Things – Netflix

03] Mr. Robot – Amazon

02] House of Cards – Netflix

01] The Crown – Netflix

sogar fast dabei: Mozart in the Jungle – Amazon, Landesschau aktuell – SWR, Bauerfeind assistiert – 3sat

FARBE DES JAHRES

01] Schwarz

fast : Gold

nicht: Braun

GETRÄNK DES JAHRES

03] Kiba

02] Heiße Zitrone

01] Weißweinschorle

fast dabei: Cola, Kaltes Leitungswasser, Rosé, Kaffee, Cold-Brew-Allerlei

LECKEREI DES JAHRES

03] Erdnuss-Limetten-Soße

02] Georgische Pizza

01] Rotkohlwürzer

fast dabei: Pizza, Vegetarische Salami, Lebkuchen, Pizza von unten, gute Donuts, Macaroni and cheese

INSTRUMENT DES JAHRES

01] Klarinette

am Ende doch nicht: Horn

ERFAHRUNG DES JAHRES

05] Cholerisch-überbordende Nachbarn

04] Freedom Trail – Boston, Massachusettes

03] Prahmfähre – Brobergen, Niedersachsen

02] Foliage in Neuengland

01] Schwerpunkt Bürotätigkeit

nicht dabei: Bon Ivers Promo Event in der Berliner Adalbertstraße, sich ansammelnde Ratten beim Pizzaessen und Fotoshooting, Victoria Honesty, Weihnachtslieder singen

SELBSTGESCHAFFTES DES JAHRES

02] Quasi sechs Staffeln RuPauls DragRace in zwei Monaten schauen

01] Marmeladenzubereitung im Akkord

nicht dabei: Baum gepflanzt oder Haus gebaut

AUSSICHT FÜR 2017

01] Liebe ist eine oft gute Antwort.

fast: Happy New Tears.

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Beinahe Advent

Beinahe Advent

Dem Oktober bin ich längst entwachsen,
der Herbst hat für mich ausgedient,
aus Gold wächst Grau in diesen Tagen,
aus Regen Schnee, Sturm war einst Wind.

Für Licht ist nun oft selbst zu sorgen,
die Einsamkeit schaut gern hervor,
das Gestern gleicht dem Übermorgen,
es friert der See, es schweigt das Moor.

Die Ruhe ist’s, die ich benenne,
als Höhepunkt und schönen Schein,
der Winter, den ich gut schon kenne,
kann mehr als Übergang nur sein.

Das Bett ist Freund, die Küche Liebe,
und drumherum mein Wunsch nach mehr,
ein Zauber straft den Alltag Lüge,
erst im Neujahr ich mich ihm verwehr.

Juli im Advent.

Juli im Advent.

Gedanken finden ihren Weg, bestenfalls sogar den Titel zu einem angeplanten Leseabend am Kottbusser Tor. Juli im Advent? Bastard Seasoning ist mindestens ausgedacht, aber mitnichten der Diskussion unwürdig.

Es ist nicht gelogen zu behaupten, die Jahreszeiten seien ein brauchbarer Rahmen für das Leben und seine Nebenwirkungen, dienen sie doch als Alibi, Kulisse und ungeschriebenen Leitfaden zugleich. So sehr die typischen Attribute der jeweiligen Monate auch bröckeln oder deren Präsenz sich verschiebt, bedingt durch einen Wandel des Klimas, der an dieser Stelle ganz feist nicht als gelenkte Fehlinterpretation benannt wird – Sommerlektüre, Frühlingsschmuck, Herbstgesicht oder Winterruhe verbleiben als lose gewählte Beispiele für die vier beliebten Kapitel, die den Alltag mehr oder wenig sinnig zusammen halten.

Dann spreche ich mit Menschen, noch besser schreibe ich mit ihnen, und mein innerer Slogan, in Jahreszeiten zu denken sei das eine, in Jahreszeiten leben das erschwerend andere, verwischt zu einem Werbespruch ohne Halt. Womöglich ist der Juli gar die strahlendere Version des Advents, nicht unbedingt die sparsamere. Sind Mitte Dezember unsere Mitmenschen zeitlich nicht gerne ähnlich schlecht zu greifen wie zum meteorologischen Sommerbeginn? Es ist alles eins, das könnte ein Fazit sein.
Ronny Matthes, dieser studierte Germanist und Kunsthistoriker und laut offiziellen Angaben auch verantwortlich für die Pressearbeit des Berliner Albino Verlags, schreibt und denkt scheinbar auch gern und zeitenunabhängig. Den Juli fühlt er eher als warm, stinkend und bierselig. Und die Kleidungsstücke unterscheiden sich in seinem Fall auch nicht, er trägt sie rund um den Advent eben bloß drinnen statt draußen. Dem leicht gegenüber antwortet Dennis Stephan, dem laut sozialen Netzwerken eh vieles steht und welcher jenen Monat vor August als klebrig bewertet – und als ein bisschen eitel und überheblich, ohne Rücksicht auf Verluste und inklusive Weitsicht schon gar nicht. Jedoch auch als warm. Bei diesen Worten des Journalisten, der über und für Männer und den Klub der Ungeliebten schreibt, fehlt lediglich die Behauptung, dass das Jahr nie besser aussehen wird als im Juli. Und er sagt es.
Inwieweit man ein saftiges Grün gegen ein hastigen Blinken gegenüber stellen kann, muss das Werbemotiv zur anstehenden Veranstaltung beantworten, für welches Dennis sein Gesicht eher hergab statt verlor.

Andere Menschen, bekannte Ansichten

Literaturkritiker und freier Journalist Stefan Mensch verdeckt seine Ansichten zu Leben und Belieben eher selten. Er schreibt aktuell ein Kapitel, das sich in einem Schwimmbad abspielt, liest selbst ungern bei schlechtem Licht, ergo tut er dies vermehrt im Sommer. Dann auf dem Balkon, während der Winter sein warmes Bett hergibt, was er als großen Fortschritt erkennt. Als adventliche Lektüre greift er zu läppischen Adventskalendern oder Kurzgeschichten. Ich behaupte, Facebook gehört auch dazu.
Und während ich an gewollt dunkelgrün und abgedunkelt nachbearbeitete Serien denke, deren Kulisse die Schwere der Handlung und Rollen unterstützen soll, bringt Stefan es schön auf den Punkt, wenn er von der alten Idee spricht, das Wetter solle den Seelenzustand der Hauptfiguren widerspiegeln. Für ihn bedeutet gutes Wetter deshalb robuste Hauptfiguren oder Autorinnen und Autoren, denen solche Plattheiten nichts geben.

Für Sebastian Guggolz, Verleger des Guggolz Verlags, der mit seiner Auswahl an vergessenen nord-und osteuropäischen Werken nicht nur schlau fährt, sondern auch die oft unsonnigen Zustände und Epochen wählt, ist der Begriff der Sommerlektüre weniger eine inhaltliche Kategorie als eine des Umfangs. Für unterwegs und draußen dürfen Bücher gerne weniger dick und umfangreich sein. Außerdem weißt Sebastian noch mal abgeklärt darauf hin, den Jahreszeitenrhythmus zu kennen, der auf Winter wieder Sommer folgen lässt. Ohne Frage, der Herr kennt Kalender und das Leben. Da gesellt sich Denis Abrahams passenderweise hinzu. Als Lyrikkenner, freier Sprecher und Schauspieler betrachtet er Literatur unabhängig von Jahreszeiten, ohne den Einfluss dominierender Sinneseindrücke der jeweiligen Jahreszeit zu leugnen. Dennoch liest Denis diesbezüglich nicht gezielt, die Auswahl ergibt sich organisch und wird durch andere Impulse bestimmt. Wenn er aber schon mit dem Begriff der Sommerlektüre konfrontiert wird, wirft sein Hirn spontan Erzählungen von Judith Hermann aus “Sommerhaus, später” aus, auch amerikanische Erzähler der klassischen Moderne aus den Südstaaten wie Carson McCullers oder Steinbeck gesellen sich dazu.

Da hat man nun also eine Handvoll belesener und beschriebener Personen auf das Thema angesetzt, eben welche, mit denen sich eine kulturelle Veranstaltung zu lohnen scheint, und doch bin ich nicht weiter mit dem Thema oder einem persönlichen Gedankenwirrwarr gekommen. Im selben Moment sehe ich die Werbung eines Buches namens “Moritz & Ivahn”, mit dem Aufhänger: ein Sommerroman von Christian Ludwig. Damit bin ich ruhig, lüfte die Küche und trinke eine heiße Schokolade. Alles scheint eins, das sollte das Fazit sein.

JULI IM ADVENT
Sonntag, 18.12.2016
aquarium / Skalitzer Straße 6
ab 18:30 Uhr

Es lesen:
Stefan Mesch
Denis Abrahams
Sebastian Guggolz
Ronny Matthes
Christian Ludwig
Dennis Stephan
Nico Reinhold

Foto: Saskia Kyas

Modell: Dennis Stephan

Juli im Advent

Juli im Advent

In Jahreszeiten denken ist das eine,

in Jahreszeiten leben das erschwerend Andere.

Ist der Sommer tatsächlich bloß die Abwesenheit vom Winter?
Am Abend des 18.Dezember wird das in hübsch-belesener Runde geklärt oder zumindest mit gut gewählten Kurzgeschichten und Versen aufgegriffen.

Das Rosegarden Magazin und der Albino Verlag holen mit der Leseveranstaltung “Juli im Advent” inmitten der ausladenden Vorweihnachtszeit für einen Abend lang den Sommer zurück an den Kotti.

Dank der Beiträge – vorgetragen von Stefan Mesch, Sebastian Guggolz, Denis Abrahams, Christian Ludwig, Ronny Matthes und Dennis Stephan – ist man plötzlich da, wo Sonne und endlose Sitzungen im Freien eben nicht zynisch erscheinen.

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Rosegarden Magazin & Albino Verlag

präsentieren

JULI IM ADVENT

Sonntag, 18.12.2016

aquarium / Skalitzer Straße 6

ab 18:30 Uhr 

Stefan Mesch

Denis Abrahams 

Sebastian Guggolz 

Ronny Matthes 

Christian Ludwig 

Dennis Stephan 

Nico Reinhold

Letzte Hochrechnung – den Menschen ein Wohlgefallen.

Letzte Hochrechnung – den Menschen ein Wohlgefallen.

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1. Verbeuge dich vor Neuigkeiten, die unwahr scheinen.

2. Leugne niemals deine Neigung zu Ausgrenzung und Verletzung auf großer Bühne.

3. Beachte dabei stets die Perfektion von Dilettantismus, der nach gleicher Augenhöhe riecht, sowie nach Mut zum Fehler schmeckt.

4. Unterschätze niemals den Hang zu Gefahr und verdrehter Blickweise.

5. Behüte dabei die Gier nach Hoffnung, nicht für die anderen, doch für dich allein.

6. Verlerne das Wort Schuld zu schreiben.

7. Sieh dich als Teil der Geschichte – der Untertitel fehlt dazu.

Herbstferien in Neuengland. Teil Drei.

Ein Abschiedsbrief an NYC.

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Fernweh gilt mancherseits als Beweis der eigenen Langeweile, muss gar als sicheres Zeichen für das Übergewicht des Realitätssinns herhalten oder ist vielleicht doch bloß eine Angewohnheit, die man mit Geld stillen kann.

New York City, du oft beschriebenes, abgeschriebenes Stück Fläche, zu der jeder angefangene Satz pathetisch oder provinziell erklingt.

In keinem Moment fühlt man sich dermaßen als fremd und Reisender, wie in jenem des Ankommens. Mit Gepäck, fragendem Rundumblick und der unweigerlichen Tatsache, nicht dazu zu gehören.
Ein Trost und Schande zugleich, dass es jedes erste Kennenlernen einmal nur gibt.

Selbst wenn die Gerüchte deiner chronischen Schlaflosigkeit nicht gedenken abzuflachen, komme ich in deiner Nähe sehr bald zur Ruhe. Trotz all der Weite und Höhe, der nicht zu leugnenden Dynamik, egal ob Showlaufen oder unabgesprochenes Grundtempo, geht man mehr noch aufrecht als geduckt zwischen Brooklyn, Manhattan und all deren Ausläufern.

Niemand – am wenigsten ich selbst – erwartet, das öffentliche Verkehrsnetz zu verstehen, trotzdem nehme ich immer wieder teil.
Hier hält man Schirme noch in Ehren, zahlt sich deren Nutzung schließlich aus. Für den Hang zu verlaufenem Käse darf man sich hier nicht schämen. Als Verfechter von Werbeverbot auf öffentlichen Plätzen hast du schwere Stunden.

Als purer Rückzugsort funktionierst du kaum. Ist man da, ist man bei dir. Schaut man dich an, hört man dir zu.
Dann sind Tage vergangen, man hat sich an dich angenähert, angepasst und deine Existenz mit Erinnerungen addiert – und doch verlässt man dich mit dem Bild nach außen, mit welchem man gekommen war: Beladen, prächtig überfordert und unklar, schnellen Schrittes unter grauen Wolken. Mit dem guten Gewissen, jedes zweite Kennenlernen bloß einmal zu haben.

Herbstferien in Neuengland. Teil Zwei.

Vier Nächte in Providence.

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Es war nicht die Hope Street,
die man stets mied.
Oder der Swan Point Cemetery,
welcher laut nach Enge schrie.
Nicht Stephen Hopkins Fährte,
der man sich verwehrte.
Eben nicht die State House Silhouette,
die zu gern von allem mehr noch hätte.
Nicht die ersichtliche Furcht vor Feuer,
die die Stadt nie beteuert.
Auch nicht Roger Williams im Prospect Park,
der einen hübschen Blick verbarg.

Es war der kompakte Ocean State,
der in Sachen Atmosphäre berät.
Das Wetter aller Möglichkeiten,
die einen durch dieses Neuengland begleiten.
Der herbstliche Farbkreis,
der um seine jährliche Route weiß.

In Rhode Island scheint die Welt noch klar,
bleibt Hast verdeckt, wirkt Chaos rar.

Herbstferien in Neuengland. Teil Eins.

Ach, Boston.

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Auf drei sich dehnende Joggende kommen nicht weniger als fünf Parkhörnchen frei von Scham. Einem minderbelüfteten U-Bahn-Schacht entsteigen aus dem lauten Nichts vier hilfsbereite Einheimische.

Junge Menschen werden von Fremden beim Lernen auf dem Harvardgelände fotografiert, Memorial reimt sich urplötzlich auf alles. Mitmenschen schauen dich persönlich an, schon die Revolution hat sich einst überall selbst vorher gesehen.

Zeig‘ mir den Weg am Charles River, ich schenke dir zwei meiner Stunden auf dem Freedom Trail. Gib mir rote Backsteine, ich bau‘ dir Boston, Massachusetts.

Der Pakt

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Innere Sicherheit liegt mir am Herzen, darum nimm‘ diese Worte an mit Schmerzen.

Halte Abstand von dir und den Gedanken, die aufrecht stehen, nie trübe wanken.

Weiche nicht aus dem Übermut, umstell‘ die Lust, besetz‘ die Wut.

Beende Blässe, die nach Ruhe stinkt, nach Zierde ruft, der Stille winkt.

Nimm bitte dir mehr Schwarz vom Weiß, bestenfalls bin ich dein Preis.

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