2013

Jahresrückblick 2013

Jahresrückblick 2013

Jahresrückblick 2013

Wort des Jahres
Urlaub / statt: Dach

Satz des Jahres
“Du kannst dich nicht ewig auf deinem schlechten Image ausruhen.” / statt: “Entschuldige, dass wir dich so anstarren – wir sind hungrig!”

Versprecher des Jahres
Pitzfummel / statt: bequemlos

Tagebucheintrag des Jahres
“Endlich mal Betten abgezogen.” / statt: “Rosamunde Pilcher als Abendbrot.”

Erklärung des Jahres
“Hoppsende Damen … Akrobatik und Clownerie” / statt: “Boah, das Essen ist hier so schlecht, das kannst du echt nur Patienten anbieten.”

Frage des Jahres
“Seid ihr Brüder?” / statt: “What does the fox say?”

Standort des Jahres
Mini Spar (Reichenberger Straße, Berlin) / statt: Stand (HolyShitShopping Hamburg)

Ortsname des Jahres
Poggibonsi / statt: Fanø

Club / Bar des Jahres
Marietta, Berlin / statt: Südblock, Berlin

Farbe des Jahres
Blau / statt: Grau

Stimmung des Jahres
im heiteren Wechsel / statt: Bett. Antibiotika. Edith Piaf. Warten.

Sommererinnerung des Jahres
Camping Anita, Italien / statt: Ustronie Morskie, Polen

Schimpfwort des Jahres
Spähprogramm / statt: Xaver

Reim des Jahres
ThirtyThirty, Let’s Get Dirty! / statt: Fuck 29 – It’s Partytime!

Sport des Jahres
Serpentinenfahrten Italien / statt: Schwebebahnfahrt Hemmoor

Missverständnis des Jahres
DJ-Karriere / statt: Prostitution rund um Berlin-Buch

Getränk des Jahres
Rum in Kirschsaft / statt: Blutorangensaft in Kalt

Tier des Jahres
Pony / statt: Stinkekatze

Entdeckung des Jahres
Schallplatten / statt: Moorspaziergänge

Geschenk des Jahres
Schallplattenspieler / statt: My Little Pony-Tasse

Flop des Jahres
Bart-Hype in Funk & Fernsehen / statt: Mitbewohnersuche

Spoiler des Jahres
Planung eines Roxette-Musicals / statt: später kann man gut in Norddeutschland leben

Werbeslogan des Jahres
Party machen, chillen, relaxen (Flixbus) / statt: Freunachten (Panasonic)

Schocker des Jahres
“Ich klatsch für dich, du Arsch!” / statt: “Achtung, ich stelle jetzt die Beatmung ab.”

Kleidungsstück des Jahres
Jogginghose / statt: Jutebeutel

Ästhetik des Jahres
1993 / statt: 1934

Neuerung des Jahres
Stammtisch / statt: Weihnachtskarten verschicken

Instrument des Jahres
Lesepult / statt: Saxophon

Song des Jahres
The Naked And Famous – Hearts Like Ours / statt: Pixies – Andro Queen

Wieder/neu-entdeckter Song des Jahres
Chinawoman – Party Girl / statt: Elton John – Rocket Man

Musikvideo des Jahres
Capital Cities – Safe And Sound / statt: Miley Cyrus – Wrecking Ball

Band des Jahres
Savages / statt: Pixies

Album des Jahres
John Grant – Pale Green Ghosts / statt: The Naked And Famous – In Rolling Waves

Coverartwork des Jahres
Savages – Silence Yourself / statt: The Black Heart Rebellion – Har Nevo

Konzert des Jahres
John Grant, 09.04.2013, Babylon Berlin:Mitte /
statt: Woodkid & Deutsches Filmorchester Babelsberg, 11.11.2013, Tempodrom, Berlin

Webseite des Jahres
www.serienjunkies.de / statt: www.quotenmeter.de

App des Jahres
Spotify / statt: Facebook

TV-Sendung des Jahres
NEO Magazin / statt: Bericht aus Berlin

Fernsehsender des Jahres
tagesschau24 / statt: ZDFinfo

Mitarbeit des Jahres
Rosegarden Magazin / statt: Buch-Trailer

Film des Jahres
Before Midnight / statt: The Place Beyond The Pines

Serie des Jahres
Borgen – Gefährliche Seilschaften / statt: Top Of The Lake

Soundtrack des Jahres
Nathan Barr – Hemlock Grove / statt: Charlie Mole – Mr. Selfridge

Wahnsinn des Jahres
Bundestagswahlkampf / statt: Musiklisten erstellen

Imitation des Jahres
MC Fitti  / statt: die Gezeiten

Begleitung des Jahres
Maulli & Euli / statt: die bis-zum-nächsten-Mal-Boys

Vorhersage für 2014
“… gegen Ordnung & für sexuelle Unordnung”/ statt: “Gut, dass die hier alle was an haben …”

Nachsatz
“Achtung! Ratten! Bitte Türen zu!” / statt: „I couldn’t care less.“

Bilder der Lesung im Mein Haus am See, Berlin

Fotos: Julia Fischer

Zweimal peripher

Zweimal peripher

Die Füße hängen unter meinem Tisch, stehen unter meiner Gewalt.

Sollen sie mich doch zurück lassen, alleine, als letztes Stück einer
Kette, die niemanden tragen möchte.
Sollen sie mich bloß vergessen, nur zu, ganz ohne einen Stempel unter
meinen Namen zu setzen.
Letztlich ist das Aussitzen mehr Kampf denn Sport,
das Warten weniger Not statt Entscheidung.

Holy Shit Shopping 2013

Holy Shit Shopping 2013

Im Laufe der letzten beiden Jahre wurde das Holy Shit Shopping bereits zum Ritual der Vorweihnachtszeit und auch dieses Jahr sind wir wieder zusammen mit Illustratorin Martina Hoffmann an einem gemeinsamen Stand vertreten. Martina Hoffmann hat dabei ihr ganzes Repertoire an Mädchen- und Jungskalendern dabei sowie unzählige liebevoll gestaltete Postkarten, unser Autor Christian Ludwig ist mit all seinen Buchprojekten und Extras vertreten. Besucht doch beide gern auf einen Glühwein!

Für alle, die nicht wissen, was das Holy Shit Shopping ist: Seit 2004 geht die Designplattform auf Tournee und präsentiert ca. 150 handverlesene Designer, Kreative und Künstler. An den vier Adventswochenenden verwandeln sich die Locations in den verschiedenen Städten in Pop-Up Stores. Auf ca. 3000 qm wird eine Mischung aus Mode-, Schmuck- und Produktdesign, Wohnaccessoires, Kleinmöbel, Kunst, Fotografie, Grafik, und Literatur präsentiert.

Holy Shit Shopping Hamburg
Datum: 30.11. – 01.12.2013
Ort: Messe Hamburg
RSVP on Faceook

Holy Shit Shopping Berlin
Datum: 14. – 15.12.2013
Ort: Postbahnhof am Ostbahnhof
RSVP on Faceook

Öffnungszeiten & Eintritt
Samstag: 12:00 bis 22:00
Sonntag: 12:00 bis 20:00
Eintritt: 4 Euro

Musikalische Lesung: Ein Abend, zwei Bücher

Musikalische Lesung: Ein Abend, zwei Bücher

Musikalische Lesung: Ein Abend, zwei Bücher

Der Dezember bringt den Advent, Autor Christian Ludwig zwei seiner Bücher an einem Abend auf die Bühne.

Musikalisch umgarnt und neu umgesetzt durch T E Morris, Singer/Songwriter und Mitglied der britischen Her Name Is Calla, und außerdem Corwood Manual, dem besonderen Ein-Mann-Projekt aus dem Berliner Künstlerkollektiv Bloody Hands.

Gitarren, Beats und seltsame Töne aus dem Hintergrund treffen auf zwei Geschichten – irgendwo zwischen Schatten und Ausweg, frei nach dem Zitat „Es ist schon viel später als man glauben kann.“

Christian Ludwig (Autor)
T E Morris (Her Name Is Calla)
Corwood Manual (Bloody Hands)

Hamburg – Grüner Jäger
Dienstag, 03.12.13 / 19:30 Uhr
Eintritt: kostenlos
RSVP on Facebook

Berlin – Mein Haus am See (Cosmic Kaspar)
Mittwoch, 04.12.13 / 19:30 Uhr
Eintritt: kostenlos
RSVP on Facebook

„Multioptionalität“ für Rosegarden II

Dubios, diese Mittagsstunde. Der Handdruck war fester als gewohnt, das Grinsen entrückter als gewollt. Die Aussage verschwamm neben dem Schreibtisch – zwei Wochen Urlaub, ungeplant, ohne Schein, jetzt, ab sofort. Sein Vorgesetzter tupfte sich nach der Ansage die Schweißperlen vom Nacken, wünschte eine schöne Zeit und bedankte sich nickend für die Erfolgsbilanz, die ihn angeblich zu diesem Geschenk führten.

Frei im August? Das war fremd und neu. Überlegung: Wie verbringt man die Zeit in einer leer gefegten Stadt, wenn sich jeder irgendwie irgendwo herum treibt und alles auf Zeitlupe zu stehen scheint. Huch, aber da waren doch noch Unterlagen, zwei offene Nachrichten. Nein. Der Chef wies mit spitzer Miene zur Bürotür. Nun gab es keine Ausflüchte, ab in die Ferien auf Knopfdruck.

Draußen beherrschte Hitze die Stadt. Die Kopfhaut brannte ähnlich wie die Teerstraßen, die er zu passieren hatte. Die Brille glitt Richtung Nasenende. Er suchte nach einer Nebenstraße, den schattigen Stellen. Seine Augen rollten. Mehr Haut bedeutete nicht parallel mehr Spaß für alle, dachte er sich, als das dichte Begängnis der Einkaufsmeile nicht enden wollte. Die klimatisierte Dachgeschosswohnung schien so weit entfernt wie der nächste anstehende Arbeitstag. Hätte er gute Freunde oder welche, die offene Ansprachen nicht scheuten, hätten diese ihm gesagt, wie auffällig aggressiv ihn schönes Wetter im Allgemeinen und Sommer in der Stadt im Speziellen werden lässt. Da werden einkaufende Beine in Schwimmlatschen als eklatanter Schwachpunkt gesehen, Rumlümmeln auf allen erdenklichen Treppenstufen der Altstadt als einfältiges Getue verurteilt. Negativität als Lösung für alles? – wie jugendlich.

Mehr Mensch als im Sommer geht nicht, das war ihm klar, davor hatte er schließlich Angst. Dann sind sie mehr, länger sichtbar, lauter, euphorisch und verträumt in einem. Nichts wie weg. Nun hätte er rasch den Fahrstuhlknopf betätigt, sich auf das Öffnen des Kühlschranks gefreut, wäre da nicht dieser Zwischenfall eingetreten. Ein Filmprojekt, ausgerechnet heute, direkt vor seiner Haustür, alles abgesperrt. Das Gegenteil von Lachfalten summierte sich in seiner Visage. Die jungen Dinger vor und hinter der Kamera winkten ihn freundlich ab, vertrösteten ihn auf später. Später? Ungenauer wäre ihm noch lieber gewesen. Doch ein Freigetränk am Buffett stände parat, als Aufheiterung. Weder Wasser noch Schnaps waren heute seins, so lehnte er das Angebot ab, hörte die schlecht inszenierte Verfolgungszene hinter seinem Rücken zum vierten Mal abbrechen und blieb am Pflasterplatz stehen. Der öde Pflasterplatz. Dieser hieß nicht wirklich so, doch wie sollte er diesen unbedeutenden Ort ohne Namen betiteln. Musik drang in sein Ohr, schief und hoch, zu schnell zum Überhören, zu langsam zum Durchdrehen. Eine Dame im hochgesteckten Haarkleid hatte einen Geschenkestand aufgebaut. Ja, wie auffällig und ungewöhnlich, gab es tatsächlich alles kostenfrei. Überbleibsel aus alten Wohnungen, Lose mit wohl hundertprozentigen Nieten, einen Kussknopf, eine komische Box und ein ausgeschriebenes Helferabteil. Schwachsinn, er hielt von alledem nichts, konnte sich aber dem tänzelnden Heranwinken der Frau in Bunt nicht entziehen. Ihr Assistent unter achtzehn führte ihn näher an den Stand. Abwehr blieb aus, die interessierte Freude ebenso. Mit keiner Fee verwandt, durfte er sich dennoch bei ihr für drei Geschenke entscheiden. Oh je, das klang nach einer längeren Prozedur. Er hatte nicht einmal Laune nach nur einem Präsent, drei aber waren deutlich über seinen gewünschten Möglichkeiten. Sei’s drum, dachte er, zog sich ein Los, auf dem lediglich ein Fragezeichen abgebildet war. Er durfte sich nun entscheiden, ein weiteres Los zu ziehen oder sich in die Zukunft blicken zu lassen. Er nickte Ersterem zu, erhielt jedoch wieder ein Fragezeichenmotiv. Hellsehen an der Bordsteinkante wies er weiterhin undankend ab, das zweite Geschenk würde es schon richten. Er blieb an dem Knopf für die Kussfreiheit stehen, sah jedoch die ausgelaugten weiblichen Lippen vor sich, schielte auch kurz zu dem halbgrinsenden Helfer in Uniform rüber, bei welchem neben der strahlenden Zahnleiste nichts anderes sichtbar schien. Irritiert wich er zurück. Zungenschlag ohne ihn, so zeigte es sein verkrampftes Gesichtsfeld überdeutlich. Nach zwei ausgeschlagenen Präsenten war es nun die tief stehende Grabbelbox, die ihn abschließend noch zufrieden stellen könnte. Zaghaft ließ er seine linke Hand in das dunkle Loch fahren, ängstlich, was er dabei angeln würde. Eine Armbanduhr, jene von der imitierten Sorte, zog er aus der Kiste, betrachtete sie kurz, ließ sie dann aber wieder fallen. Er nickte den beiden Mitarbeitern des Geschenkestands gequält entgegen. Wie vor den Kopf geschlagen und undankbar zurückgelassen, standen Frau und Helfer neben den Holztischen, derweilen spürte er deren enttäuschten Blicke wie bösartige Fühler hinter sich. Was vergeuden sie ihr Leben auch mit solch sinnarmen Spuk, rechtfertigte er sein kühles Handeln beim Laufen. Um geschenkte freie Tage kam er nicht herum, doch diese als nächstenliebend verkappte Art an Geld im Hut zu kommen, war ihm ein Gräuel. Eine Mitarbeiterin des Films machte ihm den Weg frei, waren die Aufnahme vorerst pausiert, wie er glaubte. Eigentlich wurde angenommen, er wäre ein geplanter Komparse, der beinahe seinen Einsatz verpasst hatte. Die Sonne war hinter den drei Hochhäusern verschwunden. Die Filmtruppe applaudierte ihm zu, war sein ignoranter Durchgang genau der Schlag, der der Einstellung noch fehlte. Es wurde angestoßen, gelacht, ihm zugeprostet. Abstand. Er schlug die Wohnungstür hinter sich zu, atmete tief ein, warf seine Tasche unter die Garderobe. Drei Minuten später hatte er sich beruhigt, doch die Aussicht wurde schlecht. Er war eher blass, blass und tot.

(Juni 2013)

Der Urheber

Der Urheber

Dem Umstand war’s geschuldet, dem Umtrunk noch dazu.
Dem Schicksal ward gehuldigt, dem Karma ohne Ruh.
Die Zeichen waren deutlich, jenes Dilemma schon zu sehen.
Die Aura kaum erfreulich, der Winde längst am Drehen.

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