Bat for Lashes – Two Suns

Das Sagenreich sagenhaft überstrahlt

Auch andere Mütter haben schöne Töchter. Ja, natürlich. Gehen wir doch mal allein die Riege der märchenhaften Damenriege ab. Gut, Rotkäppchen ist jung und dumm-dreist, Rapunzel hat Haar und nichts dahinter, Dornröschen kann gerne weiter durchschlafen, Schneeweißchen hat Rosenrot, Gretel ihren Hänsel, Aschenbrödel schlechte familiäre Verhältnisse und Goldmarie zuviel Glück samt Verstand. Bleibt man am Ende eben doch bei der Erkenntnis, dass auch bei den Grimms nicht alles Gold war, was glänzt, und sie mit dem Schneewittchen die unangefochtene Grand Dame der sieben Berge erschaffen haben. An der müssen sie sich alle messen: A Fine Frenzy, Fever Ray, Soap & Skin und sogar Lily Allen. Und unbewusst bedienen sie sich allesamt dem unverwechselbaren Charme des Fantasieobjekts Nummer 1. Eigenständig auf den schlanken Beinen unterwegs, losgelöst von den Ketten der Vergangenheit, auf dem Weg in das fragwürdige Morgen.

Natasha Khan, schwarzhaariger und britischer Schopf der Bat For Lashes perfektioniert das Schwarz/Rot/Weiss-Ideal spätestens mit Zweitalbum “Two Suns” dermaßen gut ausgeleuchtet, dass man an ein kitschiges Happy End inklusive dem Grobmotorik-Prinz gar nicht denken möchte.

Mystik ohne Nebelschlussleuchten, Hochglanz ohne unpassenden Rahmen, songschreiberische Dramatik ohne Emotionsüberschuss. Alles wirkt getragen statt abgehangen. Die Khan lullt niemanden – hüllt lieber ein. Ihre Stimme thront über den nie aufdringlich- doch eindringlichen Klangerüsten. Ist das episch? Wer will das schon sagen. Relevant und wertvoll ist die 11-Song-Kollektion allemal, die Zwerge würden vor Stolz erblassen.