Generation Herzchen

Wo ist sie bloß hin? Wo steckt sie nur? Die Kälte, die Ignoranz im Detail und die abprallende Front des Miteinanders. Alles scheint abgedeckt, dicht gemacht von einer glukosehaltigen Schicht Menschlichkeit. Plötzlich steht Nebel im schönsten Grau statt finsteren Morast. Sonne blendet, verblendet jedoch zu keiner Zeit. Was ist passiert?

Jeder will geliebt werden, so weit so unspannend, kämpfen macht schließlich müde, Abwehr auf Dauer wohl unsexy, negative Wellen nur Kopfschmerzen.

Nun: Jeder Winker, Drücker, Freudenschrei mutiert zum zukunftsorientierten Mittel des Zwecks. Zeig dem Anderen nicht die kalte Schulter, lass ihm diese eher eincremen oder ablichten. Verschiebe unbequemen Gesprächsstoff auf die nächste Ära, wir wollen ja keinen Ärger haben.

“Freu mich!”, “Umarmung & Vermissung″ und das allgegenwärtige Verschleudern von Herzchen jedweder Herkunft ist Trumpf statt emotional stumpf. Die Skala in rosarot ist schier unendlich, das Gute kennt nämlich kein Ende. Und so ist das nicht aufzuhaltende Hin/Her samt herzlicher Gefällt mir-Denkweise weniger auf dem Vormarsch als bereits regierende Umgangsform. Lebt sich auch gut im Raum von Wattebausch und Lolli-Klimatik.

Ein Böser, der behauptet, all das sei Masche um übermorgen sagen zu dürfen, wie schön und problemarm es einst war bzw. das Alibi der folgenden Krise im Ärmel zu haben. Ach, Herz drüber!