Interview mit Damian Coward von Heirs: „Die Nestflüchter“

Die Australier von Heirs erschaffen mit Album Nr. 2 namens „Fowls“ überraschte Ohren, ebenso wie auf der Bühne irritierte Blicke. Drummer Damian Coward klärt auf.

Wie würdest du die Arbeit am neuen Album beschreiben – war es gemäß dem Cover, wie fest auf einem Nest zu stehen?

Fall du auf das „Nest“ des Artworks ansprichst, würde ich schon behaupten, damit eine gute Metapher für den Aufnahmeprozess der Platte zu haben. Das Nest könnte die Zeit darstellen, die wir benötigten um die Aufnahmen zu einem Ganzen aufzuziehen, in welchem alle von uns in ihren Teilen wichtig sind.

Niemand kann bestreiten, einen mächtigen Schritt in Sachen Songwriting und Produktion zum Vorgänger auszumachen.

Nun, Alchera“ wurde vor vier Jahren ausschließlich von mir geschrieben, abgesehen vom Song „Mandril“ und einigen Gitarrenlinien, die als Band entstanden. So war es unausweichlich, dass „Fowl“ in jeder Hinsicht ein gewaltiger Sprung sein würde. Wir haben definitiv unseren Sound gefunden und ich glaube, dass dabei genug Raum für Fortschritt herrscht, solange wir nach der musikalischen Heimat suchen, in welcher wir uns wohl fühlen.

Programmieren und mit elektronischen Sounds zu arbeiten, nimmt bei vielen generell eher Gitarren-orientierten Bands mehr und mehr an Wichtigkeit ein. Wie ist da deine Sicht der Dinge – ist das eher Lust auf Veränderung oder eine neue Hörerschicht?

Wir wollten das schon immer in unseren Sound einbauen. Selbst wenn „Alchera“ diesbezüglich noch weniger bearbeitet schien, gab es auch dort schon einige Songs mit Samples. Nun ist der elektronische Einfluss ein viel mehr beabsichtigter Teil und als Band verfolgen wir die Samples deutlicher um alles rhythmischer zu halten. Die grundlegende Idee unseres Schaffens bleibt die selbe: die Natürlichkeit der Songs im Auge zu behalten. Der Einsatz von Elektronik treibt dieses Vorhaben voran. So wie wir uns weiter unserem idealen Klangbild nähern, sollten neue Ideen und Konzepte auch ohne Rücksicht Richtung größerer Hörerschaft führen.

Vor Jahren noch herrschte die inoffizielle Unterstellung, Postrock-Bands hätten „Angst“ bzw. wären zu perfektionistisch oder einfach nur gelangweilt, oft live zu spielen. Ihr dagegen habt einen langen Tourplan – ihr scheint es fast zu lieben.

Ich denke, Bands können nur mit guten Livefähigkeiten überleben und wir lieben Liveauftritte und das Touren. Für uns ist es wie ein Bruch zum Alltag, ebenso wie ein „Schnappschuss“ vom aktuellen Stand der Band. Es gibt stets etwas zu verbessern, doch die Reihe an Shows beweist, dass die Art und Weise des Arbeitens für uns richtig scheint. Dass die Band in Australien stationiert ist, bedeutet finanziell ein eher schweres Los. Die Arbeit solange einzustellen, die Flüge zu bezahlen und unser Geld in Euros umzutauschen, geht immer mit einem massiven Verlust einher. Wir müssen diese vielen Livetermine wahrnehmen, um die Band aktuell aufrecht halten zu können.

Wird es in Bezug auf das neue Material auch live einige Veränderungen geben?

Ja, live werden wir komplett mit Elektronik ausgerüstet sein, ebenso mit einer professionelleren Haltung in Bezug auf Equipment und genereller Einstellung zur Lifeperformance. Wir hatten auch immer das Gefühl, das Überleben der Band würde vom vielen Live-Spielen abhängen. Seit dem Einsatz der neuen Instrumentierung sind uns Auftritte sogar noch wichtiger geworden.

Ihr investiert augenscheinlich nicht wenig Gedanken in die visuelle Komponente. Welchen Stellenwert nimmt die künstlerische Seite bei Heirs ein?

Wir sind definitiv gewillt, dem Publikum etwas vielleicht nie Dagewesenes zu zeigen oder bereits Bekanntes in einen völlig anderen Zusammenhang zu setzen als zu erwarten wäre. Unsere Visuals passen passen nicht wirklich in die gängige Postrock-Schublade. Wir müssen dem Publikum beweisen, wie sehr wir es genießen, was wir tun. Für uns ist das sehr persönlich und für den offenen Austausch von Zuneigung ist die Leidenschaft zur Musik fast nicht von Nöten. Heirs sind so etwas wie das pure Erstauen.

Erzähl uns ein wenig, ein Teil von Denovali Records zu sein. Es scheint, sie kümmern sich um und glauben sehr an die Bands, die sie in ihrem Roster haben.

Menschen wie Timo und Thomas von Denovali sind eine heutzutage eine Seltenheit. Sie veröffentlichen Musik, die sie mögen und scheuen weder Kosten noch Mühen, die Visionen der einzelnen Künstler umzusetzen. Ohne sie würden wir nicht existieren. Wir sind wirklich sehr dankbar für alles, was sie für uns tun. Es ist nicht nur das Veröffentlichen von Platten, auch das Booking, was sie kostenlos tun, um ihre Künstler zu bewerben. Man darf wirklich nicht mehr verlangen, als was sie für uns tun.

Wie sehen die Pläne der Zukunft aus?

Wir waren dermaßen viel beschäftigt, mit der neuen Platte und unserem Alltag parallel, dass keinerlei Zeit für neues Material war. Es gibt noch immer eine Menge Tracks, die auf der Scheibe aus dem ein oder anderen Grund keine Verwendung fanden. Darum erwarten wir zum Jahresende weiteres Material fertig gestellt zu haben.

Danke für Zeit und Worte, danke für das nächste Album im voraus.

Geschrieben für das Fuze Magazine