Klappe, Action, Anklage – Herr Souza

Manchmal und leider zu oft sind Neuigkeiten vom Erdball nicht nur unfassbar, sondern offensichtlich filmtauglich. Das sind diese Nachrichten, deren Verlauf oder Hintergrund dermaßen reißbrettmäßig wirken, dass man sie neben die Realitätssparte packen möchte, Cliffhanger und Schattenszenen inklusive.

Sagt man die 17 Grad im Schatten vom nächsten Donnerstag voraus, kann das Glück oder Wetterfroschintuition sein. Sieht man seinen Nachbar vor sich, obwohl er noch nicht mal die Haustür öffnete, klingt das seltsam bzw. die Haustür ist gläsern. Spielt ein DJ einen Clubhit von morgen, bevor dieser datentechnisch überhaupt erfasst wurde, ist es schon obskur oder die neue Zukunft. Das alles sind jedoch nur Statistenanekdoten, wenn man sich den aktuellen Fall um den Brasilianer Wallace Souza vor Augen hält.

National populär dank einer Fernsehshow, die den 50-Jährigen stets am Schmelztigel akuter Verbrechen präsentierte. Noch bevor Sanitäter Infusionsmaterial aus den Krankenwagen holten bzw. die Polizei am Ort des Geschehens eintraf, war er schon da. Das Mikro lief, die Kamera schwenkte. Auch so ein faszinierender Bauchmensch, der zwischen Mittelalter-Hellsehfähigkeit und Elbenaugen pendelt? Wohl kaum. Einer, der mit seinem Team aufklären möchte? Eher dem Volk das zeigte, was es anscheinend sehen wollte. Mord ist im Bundesstaat Amazonas kein Tabu oder thematischer Kolibri. Tagesordnung trifft es eher. Da lohnt es sich, schneller zu sein als die anderen.

Das Nützliche mit dem Anrüchigen verbinden, klingt so verlockend, wie umsetzbar. Herr Souza war auch in politischer Mission auf der Spur. Gewalt, Verbrechen und Drogenhandel den Garaus machen, sind große Ziele. Ein emotionaler Volltreffer, wenn man selbst die Abschussliste setzt. Das tat er, angeblich in fünf Fällen. Schon als Polizist soll er in dubiose Geschehnisse verwickelt worden sein. Ein Grund seines damaligen Rausschmisses. Jetzt ist er es, auf den die gierigen Kameras zielen. Mindestens die Geschichte des Monats gibt er ab. Mit seinem Sohn und einem guten duzend weiteren Anhängern soll er einen groß angelegten Zirkel von Korruption und Waffenhandel führen und tödlicher Auftraggeber sein. Sein Anwalt schlägt die Anschuldigungen vehement von sich, Souzas Ruf schlägt Purzelbäume, die Newstickerquoten rund um seine offenbarten Machenschaften ebenso. K11 meets Profiler, nur ohne Drehbuch. Der Star der Story ist klar, die Folgen noch nicht ganz.