Mein geheimer Garten

Mein geheimer Garten

Berlin bietet einem nicht gerade unzählige Verstecke. Manche würden nun das vehement verneinen, ist für jene der Klub der Wahl Rückzugsort vom Alltag. Andere hätten ihre vier Wände genannt, Bänke neben Denkmalbauten, eine Bahnfahrt ins Umland oder eine der üblichen verdächtigen Parkflächen, um letzteres schnell vom Gegenteil überzeugt wieder zurückzunehmen. Reize warten letztlich überall, steht da schließlich auch Sinn und gewolltes Merkmal einer Großstadt. Der unzufriedene Rest soll zurück zu seinem Ursprung, wäre das nicht so oft die Bundeshauptstadt selbst.

Die Erwartungen an Berlin erfüllen sich stets in die Richtung, nach welchem einen gerade nicht der Kopf steht. Dennoch regt sich meinerseits immer auf’s Neue der Wunsch nach einem Platz, den man gefühlt für sich hat und der einem zumindest kurzfristig unentdeckte Idylle vorgaukelt. Bedingt der Thüringer Herkunft muss es was in Grün sein und trotz der Thüringer Herkunft nicht mit einer Berggaststätte verwandt sein.

Und siehe da, auch nach einem guten halben Jahrzehnt als Einwohner nach Wahl stoße ich tatsächlich auf diesen geheimen Ort. Einen Ort nur für mich. Nun gut, die Ringbahn ist in hörbarer Nähe und um einen Wegweiser zum Spielplatz kommt man kaum herum. Die Reste eines nachbarschaftlichen Grillabends will ich genauso wenig leugnen. Dafür herrschen mindestens vier verschiedene Grüntöne vor Ort, die Mülleimer sind nicht mal halbvoll und es traut sich niemand mit einem Rasenmäher in Schrittweite. Auf einmal riecht man die Nähe zu Brandenburg, hört man das Leben einer Grünanlage, die so wenig angelegt ausschaut. An diesem geheimen Platz bin ich gerne, manch andere blieben dort nicht lange bekleidet und erst recht nicht ohne Anhang. Ich genieße die Zeit bestenfalls allein, mit Getränken und einem historischen Magazin. „Berlin um 1900“? Das passt zu gut, als dass es ein lange gehütetes Geheimnis bleiben wird.