One Week

Nichts will als mehr Zeit- und Nervenverschwendung durchgehen als die alte “Was-wäre-wenn?”-Frage. Hätte die Nachbarin nicht geklingelt, die U-Bahn keine Verspätung oder der Hund keinen Durchfall gehabt. Die Geschichte würde anders geschrieben werden. Spekulation ist der Menschen Wohl und Hohn in einem. Stelle dir vor, du bekämst heute akut die Diagnose, welche nur eines schlussfolgert: Die Zeit rennt bzw. ist nahezu vorüber. Was nun? Entgegen flitzen, sich beruhigt zurück legen oder für die un/bestimmte Zeit genau sich der Existenz hingeben, die man nie oder immer sein wollte.

Wer will einem vorschreiben, wie man sich in Extremsituationen verhält? Wer will wissen, welche gedanklichen Kanäle parallel Achterbahn fahren? Wo fängt Egoismus an und hört Selbstbestimmung auf?

Regisseur und Drehbuchautor Michael McGowan tut in “One Week” gar nicht so, als würde er es wissen. Er wühlt die Fragen auch zu keiner Zeit psychoanalytisch auf, verzettelt sich nicht in pathetischer Überinterpretation des Gedankens an Tod, Vergängnis und Endlichkeit.

Kanada scheint mit seinen idyllischen und teilweise unfassbar anmutenden Weiten geradezu prädestiniert als Kulisse für einen Roadmovie, der im Grunde keiner sein möchte. Joshua Jackson bricht aus seinem mittelprächtigen US-Serien-Image aus, ohne der Figur des Endzwanzigers Ben eine künstlich aufgesetzte Dramatik aufzuheizen. Solch eine endgültige Diagnose bringt um den Verstand, lässt Zweifeln und alles hinterfragen, was zwischen Beziehung und Lebensführung bisher Bestand hatte. Liane Balaban spielt die Rolle, der in sich versteiften und eindimensional agierenden Verlobten, außerordentlich überzeugend. Man möchte sie schütteln, Szenen festhalten und ihr klar machen, dass es Ben ist, der für sich selbst Entscheidungen treffen muss.

Charmant und mit einer sensiblen und doch nicht luftleeren Leichtigkeit wird man quer durch Bens Motorradreise geführt. All die ernüchternde Schwere wird hinter den Bergen belassen, jedes inszenierte Augenzwinkern kommt passend und kämpft nicht um erzwungen auflockernde Situationskomik. Und so ist der Hauch von Tragik durchgehend spürbar, wird jedoch nie als Mittel zum typischen Zweck erkoren. Was bleibt, sind 94 Minuten getragener Unterhaltung, die mal wieder nachhaltig die gedankliche Waagschale vom Sein und Werden füllen.