Jeder trägt etwas und meistens ist es schwarz: Januar

Jeder trägt etwas und meistens ist es schwarz: Januar

 

Es rotiert das Gefühl der Wiederholung.
Es bleibt dabei – die Morgende beginnen schwarz. Und dennoch herrscht die Hoffnung, die dem Neuen nahe steht und der Erwartung die Stirn bietet.

Hennes Wagenrot ist sich seiner Person bewusst, dem Ende seiner Karriere, weniger durch Alter als falschen Worten in richtigen Situationen, auch dem Hang zu Schlaf und Fisch und seiner Frau. Maren sieht in ihm noch immer diese Figur, der die großen Möglichkeiten verwehrt bleiben wird, solange die Struktur des Alltags ihn bindet.
Das Haus, das mehr Treppenstufen als Geschirrstücke zählt. Die Bekanntschaften, die weniger Gemeinsamkeiten denn sonderbare Streitthemen ihr Eigen nennen.
Die Kinderlosigkeit, die dem gesprochenen Tabu versprochen ist.

Hennes sah zu, wie Maren sich schwer tat, die Entscheidung zwischer violetter Brosche und überlanger Halskette zu fällen. Der Hocker am Spiegel hatte eher dekorative Aufgabe, heute jedoch nutzte sie ihn für Telefonate mit der Stiefmutter, dem groben Verfassen eines Kündigungsschreibens und der Vorbereitung auf einen Abend in gewohnter Runde. Sie spürte die Augen ihres langjährig Verlobten zu gerne im Türrahmen, die wortlosen Beobachtungen erfüllten sie mit dem Gefühl, nichts von der frühen Anziehung verloren zu haben. Dabei hatte ihr das letzte Jahr einen Streich gespielt, quasi übel mitgespielt. Das tatsächliche Alter holte sie inzwischen ein und malte Furchen an ihre Schläfen, trockene Haut auf ihren Ausschnitt.
Der Mann hinter ihr hatte keine Furcht vor Worten, die Zuneigung bestätigten oder Gesten, die für Außenstehende kaum sichtbar blieben. Maren zog die Vorhänge zu, ein farbenfrohes Kleid an und Hennes direkt neben sich an die Bettkante. Die Umarmung war echt, die Schwere wieder neu.

Die Taxifahrerin fuhr einen Umweg, der dem Paar auf dem Rücksitz nicht verborgen blieb. Sie versuchte sich zu erklären, raunte etwas von Umleitungen und einem elend langen Arbeitstag. Maren nickte mit dem Blick zum Fußweg hin. Sie spürte ihren schon jetzt verbrauchten Atem. Verblüfft und negativ angetan hatte sie das Putzen der Zähne vergessen, aber ein Pfefferminzbonbon zur Hand.
Während Hennes das Fahrgeld großzügig nach vorne gab, winkten Gerda und Sarik bereits vom Tor herüber. Das Licht brannte auf allen drei Stockwerken. Die Laune im lang-schmalen Speisezimmer war den Januarwochen gegenüber ausgesprochen gut. Niemand machte den zurückliegenden Adventstrubel zum Thema. Die Weihnachtsfeiern von Büro oder Abteilung blieben unerwähnt. Dabei hätte die Hälfte der Anwesenden ausschweifend von Feierabenden in Einkaufspassagen oder den unklaren Plänen der Angehörigen berichten können. Doch all die Sterne und Leuchtröhren lagen wieder in den Kellern oder auf den Dachböden der Gesellschaft und man nahm das neue Jahr an, wie eine gute Bekanntschaft in spe. Der Durst hielt sich mit dem Hunger die Waage, die politischen Schlagzeilen konnten mit den Neuigkeiten der Stadt mithalten und überhaupt war die Ausgeglichenheit am Tisch, mit seinen vierzehn Gedecken, ein Trost für Maren und Hennes. Zur Verwunderung aller hatte nicht die Älteste an der Stirnseite Platz genommen. Mathilde war des präsenten Stuhls überdrüssig und tauschte ihn noch vor dem Essen mit Matthew, dem neuesten Mitglied der Runde. Aufgeregt beäugt vom Golden Retriever Birko, dessen Schnauze Achterbahn fuhr.

 

 

Frietjof hatte sich geradezu herausgeputzt, wohlweislich um das Thema seines anstehenden Geburtstages, eine Schnapszahl wohlgemerkt, in die korrekte Richtung zu lenken. Er hielt oberhalb der Tischdecke Händchen und Augenkontakt mit der strahlenden Valentina zur einen Seite, verdeckt im eigenen Schoß die Finger von Alexander, der schon eine ganze Stunde vor dem Haus der Familie Wächter gewartet hatte – aus Angst, nicht pünktlich zu erscheinen.
Maren war gerade dabei, sich aus ihren Absatzschuhen zu lösen, als Doktor Nebel sich neben seinen Stuhl stellte und die allgemeine Aufmerksamkeit abwartete. Unsicher stand er da, verdeckte dies aber mit dem losen Nicken zu den heutigen Gastgebern Sarik und Gerda, außerdem mit einem Grinsen, welches die Größe seines Mundes offenbarte. Das Zittern an der Tischkante war ehrlich, die plötzliche Ruhe im Raum die passende Kulisse.

“Es ist schön euch alle zu sehen. Einmal noch.”

Daraufhin ließ er sich in den Stuhl fallen und trank aus dem Glas Rotwein. Dem Doktor war nicht aufgefallen, dass das Essen noch fehlte, genauso wenig wie David Massari, der heute erstmals für die Verköstigung verantwortlich war. Bis es im gleichen Moment an der Tür läutete und besagter David mit drei großen Servierplatten beladen seinen Applaus erhielt.
Die Worte des Doktors waren nicht vergessen, verteilten sich aber in der noch immer anhaltenden Begrüßung, dem Aufstehen und Schulterstreicheln der Anwesenden. Die Reinerts zeigten unauffällig auf Davids Schuhe, die innerhalb der Wohnung nichts zu suchen hatten. In jedem Falle nicht, wenn sie so sehr das Unwetter bewiesen.

Fisch in allen Formen, Farben und verschiedenster Herkunft befand sich bald inmitten der üppigen Dekoration und ließ den Duft einer Hafenstadt zu. Das Essen verlief gewohntermaßen still und konzentriert, nur Frietjof gab Fragen zu Tisch, die beim vergangenen Termin schon für Unstimmigkeiten sorgten und erst durch Valentinas wiederholtes Niesen beendet wurden.

“David, ich esse das erste Mal seit dreizehn Jahren Fisch. – Nein,keine Sorge, das passiert freiwillig und ich muss zugeben, ich habe all die Zeit nichts verpasst.”

Die meisten lachten, wussten sie doch, dass Sarik bloß eine Retourkutsche ausfuhr, die sich auf den letztjährigen Abend der Süßspeisen bezog. Der Verantwortliche für Fisch und Gemüse schmunzelte in eigener Sache, hatte er sparsam vorgehen wollen und am günstigsten Stand in der Markthalle reserviert, mit der Hoffnung auf allgemein oberflächliches Wissen beim Verzehr von Meerestieren. Vorsichtig schaute er die Runde ab. Hennes hatte einfach Hunger, half Maren noch aus, während Frau vom Felde den billigen Braten gerochen und geschmeckt hatte, aber kein Wort sagte und sich im Rollstuhl kurz zurückzog.

“Sie geht rauchen, Wie immer, sie wartet nicht, sondern verschwindet ohne Rücksicht auf die anderen. Mathilde mag ein Unikat sein, wie ihr alle sagt, unverschämt ist sie dennoch.”

Claudia Reinert stieß ihre unmerklich jüngere Schwester Barbara kurz an, wusste sie um den Stand der Kritisierten.

“Lass’ sie doch, wenigstens riecht man es nie, wenn sie wiederkommt. Das hat sie drauf.”

Barbara verdrehte innerlich die Augen und überging Walters Einwurf. Alexander fiel das Besteck aus der Hand und kroch unter den Tisch, wo Birko längst auf Essensreste hoffte. Auf Knien betrachtete er die körperliche Nähe seines sogenannten Partners Frietjof zu dessen Erstfreundin Valentina. Eifersucht und Neid hatte unter der Tischplatte nichts zu suchen und so stieg er zurück zur Gemeinschaft, bei der neu befüllte Gläser zum Anstoßen bereit standen. Matthew hatte mit dem ruppigen Getränk zu kämpfen, was von Gerda sehr wohl erkannt wurde. Sie brachte also eine weitere Flasche zu Tisch, die sich angeblich weniger pelzig an den Gaumen legte.

“Maren, was ist? Du schaust so unglücklich. Gibt es Neuigkeiten von deiner Abteilung?”

Ein Novum, vor allen nach beruflichen Hintergründen zu fragen. In Gerdas Traum nannte jemand Unbekanntes die Runde einen Wettbewerb gescheiterter Existenzen, was weniger übertrieben als gelogen wäre. Das war nicht der Grund ihrer Treffen. Erfolgreich schienen sie seltsamerweise allesamt in ihrem Metier und gegebenem Umfang, mittlerweile.

“Danke der Nachfrage, Gerda. Ich habe die Kündigung quasi fertig. Du sprichst seit zwei Jahren davon, jetzt hab’ ich’s getan. In Ordnung?”

Die Hausbesitzerin fühlte sich unwohl, wollte sie Maren keinesfalls vorführen, hatte es zumindest nicht wissentlich im Sinn. Doch die Rollen von einst waren inzwischen vertauscht. Jede Leiter hat irgendwann eine letzte Stufe, und damit kann man umgehen oder eben nicht. So oder ähnlich dachte Gerda längst über Maren Kluge.

Warm wurde es im Zimmer, Alle atmeten viel und hörten Matthews Erzählungen vom Urlaub in der Heimat. Die Atmosphäre vor Ort, die Diskussionen in der Familie und den Streit mit seinem Vater ließ er aus. Waren dessen Worte so grob und endgültig, dass er den Gegenwind Gerdas und der Schwestern voraus fühlte, genau wie von Mathilde, die inzwischen mit einem Brandy an den ausschließlich hübsch zu betrachtenden Kamin heran fuhr und dem mehr und mehr zerstreut sprechenden Matthew lauschte.

“Ich kann mir den Abschied gut vorstellen, Geschichten ähneln sich. Sie machen den Eltern Vorwürfe, beschuldigen sie der politischen Lage. Dann gehen sie fort und lassen sie mit dem Gesagten zurück. Entschuldigung, ich hörte nur das Ende, doch ich selbst weiß um die Schwere, zwischen den Kontinenten zu leben und zu richten. Wir können gerne noch zwei weitere Jahre das Titelthema lesen, in welchem uns der Riss in der Gesellschaft vor Augen geführt wird. Und gerne denke ich an die überforderten Eltern und Nachbarn, denen die verkommenen Normen vor die Füße geworfen werden, für sich und Sie aber nur das Beste wollen.”

Matthew schaute Mathilde an, als hätte er nur jeden zweiten ihrer Sätze erfassen können. Doch Walter kam in die Szene und reichte dem jüngsten der drei Porterbrüder einen dunklen Likör und zog sich einen Hocker neben den Rollstuhl. Mathilde vom Felde wischte sich Haare aus dem Gesicht. Sie war es, die Walter seit letztem Sommer als eine gute freundschaftliche Partie bezeichnete.

 

 

Alexander begann mit dem Abdecken des Geschirrs, er musste sich im Nachbarzimmer gleich seine Insulinspritze geben, während Doktor Nebel die Hände schützend über seinen halbvollen Teller hielt und Claudia dem Freiräumen flott beiwohnte.

Der Stuhl knarrte seit einer Stunde schon, so unterdrückte David sich jede Bewegung, bis Hennes aufstand und nach Zeichen Richtung Terrassentür mit ihm und dem soeben von Valentina gelösten Frietjof nach draußen ging. Das Gefühl von Sauerstoff schien notwendig. Der Nieselregen ließ sie sich an die Hauswand stellen und über die Lichter der Stadt blicken.

“Ich mag euer Konzept, es scheint schlüssig.”

Frietjof stellte sich zuerst taub, dann dumm, bald verärgert.

“Gut, wie es so scheint. Doch im Grunde ist es mehr als schwierig. Frag’ die beiden! – Tu’ es besser nicht. Alexander – so ehrlich darf ich hier sein – sieht sich ähnlich wie Valentina eher als eine Art Test an. Ob möglich oder unmöglich – ein Konzept gehört nicht dazu Und wenn doch, mag ich es selbst nicht.”

David versuchte mit seinem Rauch keinen der zwei neben ihm Stehenden zu treffen und war sich kaum sicher, ob seine Meinung hier Platz findet.

“Wer lässt sich schon gern als Zweitfreund bezeichnen? Beziehungen sind bei mir selten Charts oder innere Umfragewerte.”

“Wobei das das günstigste wäre, tatsächlich.”

Frietjof nahm seine betröpfelte Brille ab und sah zu Hennes hinüber, der dem Thema ein Ende setzte.

“Ich träume nicht mehr. Wer weiß, ob das gut ist oder zumindest der Anfang davon. Entschuldigt, es kam so raus.”

Doch die beiden Herren nickten ihm bloß wissend zu und hatten zeitgleich ein Rascheln im Busch vernommen, welches sich bald als Matthew entpuppte, der Birko für ein paar Meter im Freien begleiten wollte. Er hielt dabei den Schirm eher über das laufende Fell als über den eigenen Kopf, sprach dem Tier unverständlich zu und informierte den verstummten Dreier über eine kleine Dia-Reise, die im Wohnzimmer von Gerda und Sarik vorbereitet wurde. Die Backen halb aufgeblustert ließ sich Frietjof nun doch eine Zigarette von David geben und warf einen auf dem Steinboden liegenden Kleiderbügel ziellos in den Garten. Birko rannte mit einem Satz in die Büsche, gefolgt von einem abscheulichen Schrei. Die Gestalt dazu wankte abwehrend in das Laternenlicht und blickte hilferufend aufwärts. Matthew hatte den Hund aus der Ferne schon beruhigt und zu sich gepfiffen, die zu Tode erschreckte Frau kratzte sich ruckartig am Oberkörper, aus Angst vor Tollwut, Blut und Tierhaaren. David sprang über die Brüstung und stellte sich vor die Dame. Derweilen war Maren nach draußen gekommen und hatte die Fremde bald als ihre Taxifahrerin identifiziert.

“Erklärt mir doch bitte, was hier vor sich geht. Gerda wird ungemütlich, wenn wir nicht bald kommen. Und Sie, was machen Sie denn hier? Und weshalb schreien Sie so herum?”

Die Fragen waren der von allen Seiten beobachteten Frau sichtlich unangenehm, wie wohl die ganze Situation.

“Es tut mir leid, es ist alles ein Zufall. Nein, so stimmt das auch nicht. Wissen Sie, Frau Kluge, seit über einem Jahr fahre ich Sie nun mit ihrem Mann zu diesen Treffen. Es geht mich nichts an, das weiß ich sehr wohl. Ich dürfte nicht einmal auf diesem Rasen stehen. Doch jedes Mal, wenn ich Sie beide vor Mitternacht wieder abhole, sind Sie verändert. Mich hat die Neugier gepackt, vielleicht eher das Interesse. Ich wollte wissen, was der Grund für Ihre Treffen sein könnten. Wie alle gucken! Zeigen Sie mich jetzt an?”

Hennes stand nun neben seiner Verlobten und wartete ihre Reaktion ab. “Hoffen wir, das Interesse an ihren Kunden ist nicht chronisch. Ich schätze, Sie machen sich selbst mehr Gedanken über uns als die gesamte Gemeinschaft hier zusammen. Das sagt vieles aus, über Sie und die Runde hier. Ich darf Sie zum Abschied vielleicht einmal drücken und Sie dann bitten, mich nach Hause zu fahren.”

Während die letzten Urlaubsfotos auf die Leinwand projiziert wurden, waren Maren und Hennes schon wieder zu Hause angekommen. Ohne Verabschiedung, das kannten die anderen bereits, es rotiert schließlich das Gefühl der Wiederholung.

 

Text: Christian Ludwig
Fotografie: Saskia Kyas

Jeder trägt etwas und meistens ist es schwarz.

Jeder trägt etwas und meistens ist es schwarz.

Das Leben in der Stadt kann eine so fruchtbare oder furchtbare Erfahrung sein. Im Wirrwarr von Wiederholung, Erwartungshaltung und erbetener Routine lebt es sich schön. Niemand scheut seine Angewohnheiten oder das Besprechen dieser mit anderen. Geheimnisse sollen ihre Funktion nicht behalten, Gerüchte verkommen zur Realität.

Berlin schreibt vielen Menschen, auch mir, die Geschichten wie von selbst – die Jahreszeiten geben ihr übriges noch dazu. Und so begleitet mich und die Leser in den kommenden zwölf Monaten die Geschichte um eine Gemeinschaft von vierzehn Personen. Eine Erzählung in Episoden, die erst im Laufe des Jahres entstehen werden. Mit mehreren Motiven pro Monat gibt die Fotografin Saskia Kyas jeweils den passenden optischen Zusatz.

Hennes Wagenrot und seine Verlobte Maren Kluge, die Geschwister Barbara und Claudia, der Hund Birko samt Herrchen Matthew Porter, David Massari, Eheleute Sarik und Gerda Wächter, der lange schon im Ruhestand sitzende Doktor Nebel, Mathilde vom Felde mit ihrem Begleiter Walter, Frietjof und seine beiden Partnerschaften Valentina und Alexander.

Die Protagonisten stehen schon heute fest, doch wohin sie das Jahr 2017 führen wird und in welcher Konstellation sich die Gesellschaft zum Jahresende befinden könnte, werden erst die kommenden Wochen nach und nach zeigen.

ZWEITAUSENDSECHZEHN: Jahresrückblick

ZWEITAUSENDSECHZEHN: Jahresrückblick

ERKENNTNIS DES JAHRES

01] Alle sterben.

auch: So sad, Wrong!, Stay gay, Ich hab‘ ja nichts gegen Jahreszahlen, aber 2016!?

BEFLÜGELTE WORTE DES JAHRES

05]  Flower-Trauer-Trance

04] Clausflug

03] Fünf Autos, zwölf Menschen

02] Das Allerletzte

01] Pish-Posh!

nicht dabei: Blickdichtes Dickicht, Bergweh, Stabsstelle, Fräcker & Wänster, Naschbär, Beachbetterhavemymoney

ORT DES JAHRES

06] Reuterplatz – Berlin

05] Freilichtmuseum am Kiekeberg – Rosengarten-Ehestorf

04] Liebermann-Villa am Wannsee – Berlin

03] Windmühle – Bederkesa, Niedersachsen

02] Umgebauter Pferdestall – Rum Kogel, Mecklenburg-Vorpommern

01] Hardanger-Hochebene – Norwegen

fast dabei: Burg Bederkesa, M’Olfe – Berlin, Monbijouplatz – Berlin, BiBaBo – Waltershausen, Grunewaldsee – Berlin, Time Square – NYC, Schiffshebewerk – Niederfinow, Zerpenschleuse – Brandenburg, Frühjahrsmarkt – Hemmoor

STADT DES JAHRES

02] Bergen

01] New York City

fast dabei: Leipzig, Prerow, Waltershausen, Providence, Plau am See, Buxtehude

SPRUCH DES JAHRES

06] “Sie sind ja nicht unangenehm mit der Stimme.” – Dame bei Telefonat

05] “Du willst deine Umgebung gar nicht sehen?” – Mitarbeiter während Sehtest bei Ace & Tate

04] “Was macht der Eimer da?” – E.Schmücker am Neujahrsmorgen

03] “Ihr seht so frisch aus und strahlt so!” – Besitzerin eines Lieblingsrestaurants bei Begrüßung

02] “Vier Jahre zusammen? Das ist ja schon wie nicht mehr zusammen.” – R.Matthes‘ Reaktion im Beziehungsgespräch

01] “Der Mann hat eine Tüte über’m Arm, Mama.” – “Ja, das sind die Tütenmenschen.” Mutter mit Kind im See

nicht dabei: Was ist das für 1 life?; Sich so hart gönnen; Heute trage ich nur ein ganz kurzes Nervenkostüm; Viel Gegend um nichts; Wir gucken Youtube und Netflix, aber nicht das Fernsehen, was Oma hat; Es sind ein paar üble Gesichter an Bord

GESPRÄCH DES JAHRES

Am Dixiklostand auf der Zitadelle Spandau:

Besucherin: Entschuldigung, Sie nehmen Geld für die Dixis, reinigen Sie aber nicht? Da drin sieht’s schlimm aus.

WC-Dame: Nee. Naja.

WEISHEIT DES JAHRES

05] Keine Angst vor Wahlurnen.

04] In Niedersachsen sind Silvester und Advent dasselbe.

03] Ja und nein.

02] Queer statt Fear!

01] Einer Geschichte ihre Ecken und Kanten zu nehmen, bedeutet nicht, dass sie zwangsläufig rund wird.

nicht dabei: Schenkt dir das Leben Wein, mach’ Schaum draus.; Sonne macht noch keinen Frühling.

PERSÖNLICHKEIT DES JAHRES

01] –

nicht dabei: Terkel, Fjordpferd, Herr Weißgerber, Donald Trump, Burgtunte Roland

ENTDECKUNG DES JAHRES

05] Amerikanische Höflichkeit

04] Fjordlandschaften

03] Brillensortiment

02] Klappspaten

01] Autocampingurlaub

fast dabei: Freundschafts/Schwagerschaftswendung, Menschen im Gipsarm und in Knieschienen, Wahlprognosen, süchtig machende Duftseifen, Face Swap, Decathlon, Pokémon Go

GESCHENK DES JAHRES

01] Holzschlafgestell für das Automobil

statt: am Vortag in den Papiermüll geworfenen Karton vor der Haustür mit Notiz: Mich kann man auch zusammen falten

SONG DES JAHRES

10] Positron – Palace Winter

09] Starboy – The Weeknd

08] The Wheel – PJ Harvey

07] Love is blind – Låpsley

06] Fuck with myself – Banks

05] Thinking of him – Douglas Dare

04] Wings of love – LIV

03] One-Way ticket to breakdown – Okta Logue

02] White Water – EERA

01] Auld Wives – Bear’s Den

leider nicht und doch fast dabei: Ain’t your mama – Jennifer Lopez, die Songs der New York-Playlist, Love on the brain – Rihanna, Final Song – Mø, Protected – Keøma

ALBUM DES JAHRES

05] 22, A Million – Bon Iver

04] Island Songs – Olafur Arnalds

03] Joanne – Lady Gaga

02] In all that drifts from summit down – A Dead Forest Index

01] Long way home – Låpsley

fast dabei: The Crown: Season One (Soundtrack), Sorceress – Opeth, Heads Up – Warpaint, Diskographie von David Bowie & Prince

MUSIKVIDEO DES JAHRES

03] Big Cat – Wild Beasts

02] Get my bang – Wild Beasts

01] Lemonade – Beyoncé Knowles (HBO)

fast dabei: Ex’s & Oh’s – Elle King, Speeding Cars – Walking On Cars, Lost on you – LP, No broken hearts – Bebe Rexha feat. Nicki Minaj, Work from home – Fifth Harmony

VERANSTALTUNG DES JAHRES

05] Verdeckte Gefahren – Ein Leseabend / 04.Juni 2016, Feger, Berlin

04] Dillon & Choir / 28.September 2016, Großer Sendesaal des RBB, Berlin

03] Väterlicher 60.Geburtstag / 05.November 2016, Deysingslust, Berlin

02] Stadtwerkefest 2016 / 09.Juli 2016, Potsdam, Brandenburg

01] Himmelfahrt / 05.Juni 2016, Waltershausen, Thüringen

fast dabei: WWE live / 09.November 2016, Mercedes Benz Arena, Berlin; Juli im Advent / 18.Dezember 2016, Aquarium am Kotti, Berlin

FILM DES JAHRES

02] The Danish Girl

01] Vor der Morgenröte

fast dabei: Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind, Neuverfilmung von “Das singende klingende Bäumchen”

MEDIUM DES JAHRES

03] Spotify

02] Instagram

01] Netflix

fast dabei: Audible, Wochenzeitung, WWE Network, Arte Mediathek, Bücher vom Guggolz Verlag

FERNSEHSENDUNG DES JAHRES

05] Neo Magazin Royale – ZDF neo

04] Stranger Things – Netflix

03] Mr. Robot – Amazon

02] House of Cards – Netflix

01] The Crown – Netflix

sogar fast dabei: Mozart in the Jungle – Amazon, Landesschau aktuell – SWR, Bauerfeind assistiert – 3sat

FARBE DES JAHRES

01] Schwarz

fast : Gold

nicht: Braun

GETRÄNK DES JAHRES

03] Kiba

02] Heiße Zitrone

01] Weißweinschorle

fast dabei: Cola, Kaltes Leitungswasser, Rosé, Kaffee, Cold-Brew-Allerlei

LECKEREI DES JAHRES

03] Erdnuss-Limetten-Soße

02] Georgische Pizza

01] Rotkohlwürzer

fast dabei: Pizza, Vegetarische Salami, Lebkuchen, Pizza von unten, gute Donuts, Macaroni and cheese

INSTRUMENT DES JAHRES

01] Klarinette

am Ende doch nicht: Horn

ERFAHRUNG DES JAHRES

05] Cholerisch-überbordende Nachbarn

04] Freedom Trail – Boston, Massachusettes

03] Prahmfähre – Brobergen, Niedersachsen

02] Foliage in Neuengland

01] Schwerpunkt Bürotätigkeit

nicht dabei: Bon Ivers Promo Event in der Berliner Adalbertstraße, sich ansammelnde Ratten beim Pizzaessen und Fotoshooting, Victoria Honesty, Weihnachtslieder singen

SELBSTGESCHAFFTES DES JAHRES

02] Quasi sechs Staffeln RuPauls DragRace in zwei Monaten schauen

01] Marmeladenzubereitung im Akkord

nicht dabei: Baum gepflanzt oder Haus gebaut

AUSSICHT FÜR 2017

01] Liebe ist eine oft gute Antwort.

fast: Happy New Tears.

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Beinahe Advent

Beinahe Advent

Dem Oktober bin ich längst entwachsen,
der Herbst hat für mich ausgedient,
aus Gold wächst Grau in diesen Tagen,
aus Regen Schnee, Sturm war einst Wind.

Für Licht ist nun oft selbst zu sorgen,
die Einsamkeit schaut gern hervor,
das Gestern gleicht dem Übermorgen,
es friert der See, es schweigt das Moor.

Die Ruhe ist’s, die ich benenne,
als Höhepunkt und schönen Schein,
der Winter, den ich gut schon kenne,
kann mehr als Übergang nur sein.

Das Bett ist Freund, die Küche Liebe,
und drumherum mein Wunsch nach mehr,
ein Zauber straft den Alltag Lüge,
erst im Neujahr ich mich ihm verwehr.

Juli im Advent.

Juli im Advent.

Gedanken finden ihren Weg, bestenfalls sogar den Titel zu einem angeplanten Leseabend am Kottbusser Tor. Juli im Advent? Bastard Seasoning ist mindestens ausgedacht, aber mitnichten der Diskussion unwürdig.

Es ist nicht gelogen zu behaupten, die Jahreszeiten seien ein brauchbarer Rahmen für das Leben und seine Nebenwirkungen, dienen sie doch als Alibi, Kulisse und ungeschriebenen Leitfaden zugleich. So sehr die typischen Attribute der jeweiligen Monate auch bröckeln oder deren Präsenz sich verschiebt, bedingt durch einen Wandel des Klimas, der an dieser Stelle ganz feist nicht als gelenkte Fehlinterpretation benannt wird – Sommerlektüre, Frühlingsschmuck, Herbstgesicht oder Winterruhe verbleiben als lose gewählte Beispiele für die vier beliebten Kapitel, die den Alltag mehr oder wenig sinnig zusammen halten.

Dann spreche ich mit Menschen, noch besser schreibe ich mit ihnen, und mein innerer Slogan, in Jahreszeiten zu denken sei das eine, in Jahreszeiten leben das erschwerend andere, verwischt zu einem Werbespruch ohne Halt. Womöglich ist der Juli gar die strahlendere Version des Advents, nicht unbedingt die sparsamere. Sind Mitte Dezember unsere Mitmenschen zeitlich nicht gerne ähnlich schlecht zu greifen wie zum meteorologischen Sommerbeginn? Es ist alles eins, das könnte ein Fazit sein.
Ronny Matthes, dieser studierte Germanist und Kunsthistoriker und laut offiziellen Angaben auch verantwortlich für die Pressearbeit des Berliner Albino Verlags, schreibt und denkt scheinbar auch gern und zeitenunabhängig. Den Juli fühlt er eher als warm, stinkend und bierselig. Und die Kleidungsstücke unterscheiden sich in seinem Fall auch nicht, er trägt sie rund um den Advent eben bloß drinnen statt draußen. Dem leicht gegenüber antwortet Dennis Stephan, dem laut sozialen Netzwerken eh vieles steht und welcher jenen Monat vor August als klebrig bewertet – und als ein bisschen eitel und überheblich, ohne Rücksicht auf Verluste und inklusive Weitsicht schon gar nicht. Jedoch auch als warm. Bei diesen Worten des Journalisten, der über und für Männer und den Klub der Ungeliebten schreibt, fehlt lediglich die Behauptung, dass das Jahr nie besser aussehen wird als im Juli. Und er sagt es.
Inwieweit man ein saftiges Grün gegen ein hastigen Blinken gegenüber stellen kann, muss das Werbemotiv zur anstehenden Veranstaltung beantworten, für welches Dennis sein Gesicht eher hergab statt verlor.

Andere Menschen, bekannte Ansichten

Literaturkritiker und freier Journalist Stefan Mensch verdeckt seine Ansichten zu Leben und Belieben eher selten. Er schreibt aktuell ein Kapitel, das sich in einem Schwimmbad abspielt, liest selbst ungern bei schlechtem Licht, ergo tut er dies vermehrt im Sommer. Dann auf dem Balkon, während der Winter sein warmes Bett hergibt, was er als großen Fortschritt erkennt. Als adventliche Lektüre greift er zu läppischen Adventskalendern oder Kurzgeschichten. Ich behaupte, Facebook gehört auch dazu.
Und während ich an gewollt dunkelgrün und abgedunkelt nachbearbeitete Serien denke, deren Kulisse die Schwere der Handlung und Rollen unterstützen soll, bringt Stefan es schön auf den Punkt, wenn er von der alten Idee spricht, das Wetter solle den Seelenzustand der Hauptfiguren widerspiegeln. Für ihn bedeutet gutes Wetter deshalb robuste Hauptfiguren oder Autorinnen und Autoren, denen solche Plattheiten nichts geben.

Für Sebastian Guggolz, Verleger des Guggolz Verlags, der mit seiner Auswahl an vergessenen nord-und osteuropäischen Werken nicht nur schlau fährt, sondern auch die oft unsonnigen Zustände und Epochen wählt, ist der Begriff der Sommerlektüre weniger eine inhaltliche Kategorie als eine des Umfangs. Für unterwegs und draußen dürfen Bücher gerne weniger dick und umfangreich sein. Außerdem weißt Sebastian noch mal abgeklärt darauf hin, den Jahreszeitenrhythmus zu kennen, der auf Winter wieder Sommer folgen lässt. Ohne Frage, der Herr kennt Kalender und das Leben. Da gesellt sich Denis Abrahams passenderweise hinzu. Als Lyrikkenner, freier Sprecher und Schauspieler betrachtet er Literatur unabhängig von Jahreszeiten, ohne den Einfluss dominierender Sinneseindrücke der jeweiligen Jahreszeit zu leugnen. Dennoch liest Denis diesbezüglich nicht gezielt, die Auswahl ergibt sich organisch und wird durch andere Impulse bestimmt. Wenn er aber schon mit dem Begriff der Sommerlektüre konfrontiert wird, wirft sein Hirn spontan Erzählungen von Judith Hermann aus “Sommerhaus, später” aus, auch amerikanische Erzähler der klassischen Moderne aus den Südstaaten wie Carson McCullers oder Steinbeck gesellen sich dazu.

Da hat man nun also eine Handvoll belesener und beschriebener Personen auf das Thema angesetzt, eben welche, mit denen sich eine kulturelle Veranstaltung zu lohnen scheint, und doch bin ich nicht weiter mit dem Thema oder einem persönlichen Gedankenwirrwarr gekommen. Im selben Moment sehe ich die Werbung eines Buches namens “Moritz & Ivahn”, mit dem Aufhänger: ein Sommerroman von Christian Ludwig. Damit bin ich ruhig, lüfte die Küche und trinke eine heiße Schokolade. Alles scheint eins, das sollte das Fazit sein.

JULI IM ADVENT
Sonntag, 18.12.2016
aquarium / Skalitzer Straße 6
ab 18:30 Uhr

Es lesen:
Stefan Mesch
Denis Abrahams
Sebastian Guggolz
Ronny Matthes
Christian Ludwig
Dennis Stephan
Nico Reinhold

Foto: Saskia Kyas

Modell: Dennis Stephan

Juli im Advent

Juli im Advent

In Jahreszeiten denken ist das eine,

in Jahreszeiten leben das erschwerend Andere.

Ist der Sommer tatsächlich bloß die Abwesenheit vom Winter?
Am Abend des 18.Dezember wird das in hübsch-belesener Runde geklärt oder zumindest mit gut gewählten Kurzgeschichten und Versen aufgegriffen.

Das Rosegarden Magazin und der Albino Verlag holen mit der Leseveranstaltung “Juli im Advent” inmitten der ausladenden Vorweihnachtszeit für einen Abend lang den Sommer zurück an den Kotti.

Dank der Beiträge – vorgetragen von Stefan Mesch, Sebastian Guggolz, Denis Abrahams, Christian Ludwig, Ronny Matthes und Dennis Stephan – ist man plötzlich da, wo Sonne und endlose Sitzungen im Freien eben nicht zynisch erscheinen.

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Rosegarden Magazin & Albino Verlag

präsentieren

JULI IM ADVENT

Sonntag, 18.12.2016

aquarium / Skalitzer Straße 6

ab 18:30 Uhr 

Stefan Mesch

Denis Abrahams 

Sebastian Guggolz 

Ronny Matthes 

Christian Ludwig 

Dennis Stephan 

Nico Reinhold

Letzte Hochrechnung – den Menschen ein Wohlgefallen.

Letzte Hochrechnung – den Menschen ein Wohlgefallen.

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1. Verbeuge dich vor Neuigkeiten, die unwahr scheinen.

2. Leugne niemals deine Neigung zu Ausgrenzung und Verletzung auf großer Bühne.

3. Beachte dabei stets die Perfektion von Dilettantismus, der nach gleicher Augenhöhe riecht, sowie nach Mut zum Fehler schmeckt.

4. Unterschätze niemals den Hang zu Gefahr und verdrehter Blickweise.

5. Behüte dabei die Gier nach Hoffnung, nicht für die anderen, doch für dich allein.

6. Verlerne das Wort Schuld zu schreiben.

7. Sieh dich als Teil der Geschichte – der Untertitel fehlt dazu.

Herbstferien in Neuengland. Teil Drei.

Ein Abschiedsbrief an NYC.

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Fernweh gilt mancherseits als Beweis der eigenen Langeweile, muss gar als sicheres Zeichen für das Übergewicht des Realitätssinns herhalten oder ist vielleicht doch bloß eine Angewohnheit, die man mit Geld stillen kann.

New York City, du oft beschriebenes, abgeschriebenes Stück Fläche, zu der jeder angefangene Satz pathetisch oder provinziell erklingt.

In keinem Moment fühlt man sich dermaßen als fremd und Reisender, wie in jenem des Ankommens. Mit Gepäck, fragendem Rundumblick und der unweigerlichen Tatsache, nicht dazu zu gehören.
Ein Trost und Schande zugleich, dass es jedes erste Kennenlernen einmal nur gibt.

Selbst wenn die Gerüchte deiner chronischen Schlaflosigkeit nicht gedenken abzuflachen, komme ich in deiner Nähe sehr bald zur Ruhe. Trotz all der Weite und Höhe, der nicht zu leugnenden Dynamik, egal ob Showlaufen oder unabgesprochenes Grundtempo, geht man mehr noch aufrecht als geduckt zwischen Brooklyn, Manhattan und all deren Ausläufern.

Niemand – am wenigsten ich selbst – erwartet, das öffentliche Verkehrsnetz zu verstehen, trotzdem nehme ich immer wieder teil.
Hier hält man Schirme noch in Ehren, zahlt sich deren Nutzung schließlich aus. Für den Hang zu verlaufenem Käse darf man sich hier nicht schämen. Als Verfechter von Werbeverbot auf öffentlichen Plätzen hast du schwere Stunden.

Als purer Rückzugsort funktionierst du kaum. Ist man da, ist man bei dir. Schaut man dich an, hört man dir zu.
Dann sind Tage vergangen, man hat sich an dich angenähert, angepasst und deine Existenz mit Erinnerungen addiert – und doch verlässt man dich mit dem Bild nach außen, mit welchem man gekommen war: Beladen, prächtig überfordert und unklar, schnellen Schrittes unter grauen Wolken. Mit dem guten Gewissen, jedes zweite Kennenlernen bloß einmal zu haben.

Herbstferien in Neuengland. Teil Zwei.

Vier Nächte in Providence.

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Es war nicht die Hope Street,
die man stets mied.
Oder der Swan Point Cemetery,
welcher laut nach Enge schrie.
Nicht Stephen Hopkins Fährte,
der man sich verwehrte.
Eben nicht die State House Silhouette,
die zu gern von allem mehr noch hätte.
Nicht die ersichtliche Furcht vor Feuer,
die die Stadt nie beteuert.
Auch nicht Roger Williams im Prospect Park,
der einen hübschen Blick verbarg.

Es war der kompakte Ocean State,
der in Sachen Atmosphäre berät.
Das Wetter aller Möglichkeiten,
die einen durch dieses Neuengland begleiten.
Der herbstliche Farbkreis,
der um seine jährliche Route weiß.

In Rhode Island scheint die Welt noch klar,
bleibt Hast verdeckt, wirkt Chaos rar.

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