Winter im August

Winter im August

Was sind schon 52 Wochen Warten, wenn das soeben geschnittene Ergebnis quasi 100% ergibt. Matt Koslowski werkelte am Musikclip zu Earthkeptwarms „Winter in the North“, wägte ab und nahm dem Sommerroman um „Moritz & Ivahn“ gefühlt die Farben, die einer dubiosen Augustnacht am nächsten stehen. Unser inoffizieller Werbefilm für Kreuzberg bei Dunkelheit wartet auf seine Veröffentlichung. Der nächste Winter folgt.

Über Magazine

Über Magazine

Sie können Quelle von Informationen sein, zeitliche Überbrückung und Tischbeschwerer ohne weitere Funktion. Im besten Fall aber sind sie Freunde im Alltag und Unterhaltung für mehr als nur zwischendurch. Magazine haben gerade in den vergangenen fünf Jahren eine Wende durchlebt und können potentiell für jeden das darstellen, was sie eben dürfen.

Als Schaufenster für grafische Trends und Werbefläche für Menschen und deren Konsumgüter dienen die meisten der sich unabhängig bis alternativ rufenden Magazine einwandfrei. Die einen verstehen sich zudem noch als Sammlungen an Texten, die dem Heute oder auch Gestern entnommen sein könnten und somit den Aufhänger „zeitlos“ dem Begriff „Zeitschrift“ entgegenstellen. Lesende mögen den bekannten roten Faden, das spezifische Thema, um das sich inhaltlich alles windet. Dabei trifft nicht immer das Rote in’s Schwarze, gebotene Palette nicht jedes Mal den erwarteten Nerv. Doch das Wissen, niemals das perfekte Magazin zu finden, kann auch beruhigend wirken, oder motivierend. Das Gefühl beim Durchblättern, auch bei der progressiven Neuveröffentlichung, ärgerliches Füllmaterial, unnötige Platzverteilung und zu oft gelesene Aufsätze zu finden, schlussfolgert dann: Mach es selbst und vor allem besser!

Das haben sich viele bereits vorgenommen. So sprießen sie hervor, die Zeitschriften, die ihre Leserschaft nur halb definieren möchten und ihren Anspruch gegen die beteiligten Privatkonten ansetzen. Denen wenig Interesse an aneinandergereihten Kolumnen und Polaroid-Optik liegt.

Heraus kommt dann das Block Magazin, das endlich den oft falsch vergebenen Titel der guten Urlaubsliteratur passend für sich einheimsen darf. Oder aber das Kaltblut Magazin, welches sich gelungen der Kreuzung aus Mode, Kunst und schönen Medien aller Art widmet.

Und wenn man schon in Berlin ist, darf man gerne auch das Rosegarden Magazin erwähnen. Soeben noch eine übersichtliche virtuelle Plattform für Schaffende diverser Bereiche, veröffentlicht das Kollektiv um Mario Münster inzwischen auch gedruckt die Version eines Magazins, das sich um vieles schert – ein leitendes Thema, viele noch unbekannte Künstler und Ideen und Visionen von eben diesen.

Das riecht nicht nach Revolution oder der Neuausrichtung einer oft gelähmt geschriebenen Sparte am Kiosk, aber nicht weniger als einen nächsten Schritt für Unterhaltung in Seiten, die gerne etwas kosten darf und muss.

Mein geheimer Garten

Mein geheimer Garten

Berlin bietet einem nicht gerade unzählige Verstecke. Manche würden nun das vehement verneinen, ist für jene der Klub der Wahl Rückzugsort vom Alltag. Andere hätten ihre vier Wände genannt, Bänke neben Denkmalbauten, eine Bahnfahrt ins Umland oder eine der üblichen verdächtigen Parkflächen, um letzteres schnell vom Gegenteil überzeugt wieder zurückzunehmen. Reize warten letztlich überall, steht da schließlich auch Sinn und gewolltes Merkmal einer Großstadt. Der unzufriedene Rest soll zurück zu seinem Ursprung, wäre das nicht so oft die Bundeshauptstadt selbst.

Die Erwartungen an Berlin erfüllen sich stets in die Richtung, nach welchem einen gerade nicht der Kopf steht. Dennoch regt sich meinerseits immer auf’s Neue der Wunsch nach einem Platz, den man gefühlt für sich hat und der einem zumindest kurzfristig unentdeckte Idylle vorgaukelt. Bedingt der Thüringer Herkunft muss es was in Grün sein und trotz der Thüringer Herkunft nicht mit einer Berggaststätte verwandt sein.

Und siehe da, auch nach einem guten halben Jahrzehnt als Einwohner nach Wahl stoße ich tatsächlich auf diesen geheimen Ort. Einen Ort nur für mich. Nun gut, die Ringbahn ist in hörbarer Nähe und um einen Wegweiser zum Spielplatz kommt man kaum herum. Die Reste eines nachbarschaftlichen Grillabends will ich genauso wenig leugnen. Dafür herrschen mindestens vier verschiedene Grüntöne vor Ort, die Mülleimer sind nicht mal halbvoll und es traut sich niemand mit einem Rasenmäher in Schrittweite. Auf einmal riecht man die Nähe zu Brandenburg, hört man das Leben einer Grünanlage, die so wenig angelegt ausschaut. An diesem geheimen Platz bin ich gerne, manch andere blieben dort nicht lange bekleidet und erst recht nicht ohne Anhang. Ich genieße die Zeit bestenfalls allein, mit Getränken und einem historischen Magazin. „Berlin um 1900“? Das passt zu gut, als dass es ein lange gehütetes Geheimnis bleiben wird.

Auf ein Treffen mit Dennis Stephan

Auf ein Treffen mit Dennis Stephan

Jeder kocht sein eigenes Süppchen. Wie das dann schmeckt, werden andere Köche nur hinter vorgehaltener Hand offenbaren. Autoren geht es da kaum anders. Insbesondere am Anfang des Schaffens wird ignoriert, mal abgenickt, gerne Neid versteckt. Dabei kann mir ein Musiker viel über den spannenden letzten Absatz berichten oder der befreundete Fotograf den Rhythmus eines Gedichts loben. Was man braucht, sind Worte aus den eigenen Reihen.

So und irgendwie kam ich auf Dennis Stephan, einen jungen Autor aus Berlin. Mit “Der Klub der Ungeliebten” hat er einen frischen, manchmal zum Streicheln naiven Roman des Erwachsenwerdens geschrieben, der die Nähe zum Verfasser nach nur einer gelesenen Seite herstellt. Manchmal entdeckt man sich selbst, vor einigen Jahren vielleicht, oft aber jemanden, der die Belletristik liebt und die Schönheit der Worte ehrt.

Während die anderen also die nächste Suppe im Alleingang schon ansetzen, habe ich Dennis aufgesucht, befragt und als nicht weit entfernten Freund im Geiste entdeckt. Wie kam es dazu gleich nochmal?

“Da muss ich selbst erstmal nachdenken. Ich meine, mich zu erinnern, dass Christian vor einiger Zeit Kontakt zu mir aufgenommen hat – das war kurz nachdem „Moritz & Ivahn“ erschien. Ihm schwebte eine Idee von einer Zusammenarbeit mit verschiedenen Berliner Autoren vor, unter anderem mit Kevin Junk. Wir haben uns getroffen und auf Anhieb verstanden. Es ist schön, sich mit anderen Schriftstellern auszutauschen, über Erfahrungen, die man während des Schreibens macht oder auch später über Kritiken. Und es bietet eine ganz gute Art zu Reflektieren, über sich selbst und seine Arbeiten. Hinzukommt, dass unsere Texte vielleicht nicht stilistisch gleich sind, aber doch stellenweise aus den gleichen, ruhigen, nostalgisch-melancholischen Gedanken schöpfen.”

Aha, unsere Schreibweise könnte also Ähnlichkeiten aufweisen. Will man freudig glauben und zugleich nicht wahrhaben. Wo aber sieht Dennis sein Schaffen denn kategorisch?

“Das ist eine schwierige Frage. Thematisch würde ich es irgendwo zwischen Philosophie, Weltschmerz und Selbstergründung verordnen – mit einem Hang zum Drama, was an meinem furchtbaren Romeo-und-Julia-Komplex liegt.”

Da kommen meinserseits dubiose Erinnerungen an einen Balkon in Verona, besetzt von Reisenden und womöglich unpassendem Verhalten an Statuen. Der Titel “Der Klub der Ungeliebten” lässt es in gewisser Weise erahnen, das Titelmotiv gar bestätigen – es geht um Liebe, und zwar die junge und unbekannte. Es handelt vom Leben in einer Stadt, die ihrem Status gerecht wird. Da sind die Einflüsse an der Handlung des Erstromans nicht weit zu suchen.

“Das war dieses unglaublich qualvolle Gefühl, jemanden, der einem unerreichbar ist, mit jedem Quadratzentimeter Selbst zu wollen. Diese grausame Verliebtheit, die teilweise in Obsession umspringt. Aber auch die tiefen Freundschaften, die mich mit wenigen, ausgewählten Menschen verbinden. Feine Zuneigungen, die man manchmal erst erkennt, wenn man ein Stück zurücktritt und von Weitem hinschaut.”

Eine weitere Verbindung, “Sendawoy”, du bist nicht weit. Den eigenen Ausgangspunkt als Mittelpunkt der Geschichte, mehr oder wenig verpackt. Darum sind einem die Protagonisten schnell wichtig und nah.

“Ich war das erste Mal unglücklich verliebt. Meiner Cousine lag ich damit nicht nur in den Ohren, sondern brachte sie auch dazu zu intervenieren. Das war eine sehr aufregende, empfindsame Zeit. Ich begann eine Geschichte aus meiner Geschichte zu machen. Bis aus dieser ersten Geschichte ein Roman wurde, vergingen fünf Jahre. In diesen fünf Jahren ist so unglaublich viel in meinem Leben passiert. Umzüge, Beziehungen, Trennungen, Höhen und Tiefen. Eben alles, was man in fünf Jahren zwischen 19 und 24 so durchmacht. Diese fünf Jahre sind der Stoff, aus dem „Der Klub der Ungeliebten“ besteht. Der Roman ist quasi eine Parabel über mein Leben in dieser Phase. Jeder Figur steht symbolisch für etwas, oder repräsentiert einen Teil von mir selbst.”

Dennis sieht gut aus, das muss man Autoren zugestehen dürfen. Er lacht gerne, hat keine Angst zu sprechen und zu fragen. Da genügen nur wenige Treffen, um das zu schreiben. Und dennoch ist da eine Kritik an dem Jetzt, die mir bekannt erscheint und Nostalgie als etwas Angenehmes aufstellt.

“Mein allererster Versuch war ein Kinderkrimi im Stil von TKKG oder Fünf Freunde. Das war eine ganz, ganz furchtbare Aneinanderreihung von Ereignissen, so mysteriös, dass es gar keine Zusammenhänge gab. Ich erinnere mich aber glasklar an den Arbeitstitel: Die geheinmissvolle Karte. Ich glaube, nach Seite 62 war Schluss – die Diskette müsste auch irgendwo noch rumliegen.”

Kritisch steht er der Bundeshauptstadt gegenüber, ähnlich innerlich entzweit, wie ich es noch immer bin und stets dabei entdecke, mir meine ganz eigene Blase in der gewählten Heimat aufrechtzuhalten. Eine Stadt, die es einem so gerne schwer macht, ob als Mensch oder Autor, dann aber auch wieder Möglichkeiten aufzeigt, die ich in einem Hamburg wohl kaum hätte vorweisen können.

“Schwierig. Ich persönlich habe ein sehr ambivalentes Verhältnis zu Berlin. Die Stadt ist einerseits eine große Freifläche – künstlerisch, kulturell, gesellschaftlich. Eine große Inspiration. Aber auf der anderen Seite auch sehr kräftezehrend. Und sie lässt einen trotz dieser Großzügigkeit, die einem geboten wird, trotzdem unbefriedigt, unvollständig. Ich kann es nicht wirklich beschreiben. Das war jetzt eine sehr persönliche Einschätzung. Ich glaube, speziell als Autor lebt es sich in Berlin genauso, wie in jeder anderen Stadt.”

Vielleicht, eher aber nein. Berlin lässt einen als Künstler nicht nachahmen oder mitreißen. Viel durchhalten, scheint die Devise. Man muss da sein, Chancen sehen und nutzen. Zusammenarbeiten planen, nicht nur erwägen. So wie mit Dennis als schreibenden Kollegen. Ja, da darf ein Lächeln schon sein.

Die anderen als Inspiration

Die anderen als Inspiration

Von Kooperationen und den Einfluss auf das eigene Schaffen

Menschen, die sich dem Schreiben widmen, fechten alles mit sich und ihrem Schreibtisch aus, heißt es. Es genügen Notizblock oder Dateiordner, um sich zu sortieren und was nach Hürden oseiecht, zu überwinden. Was reichlich schematisch klingt und die Realität selbstverständlich nur in Teilen streift, wäre jedoch eine so simple Lösung für einen überfüllten Kopf, Magen oder Plan der kommenden Wochen. Um sich und seine Arbeit zu greifen, bedarf es jedoch einen Schritt vom Schreibtisch weg, für Projekte, denen gefühlt die runde Form und der mehrdeutige Schliff fehlt, sind ein paar Runden um den Block mit anderen Personen gar potentieller Lichtblick.

Sendawoy”, mein Debüt von 2011, was irgendwie passierte und als verfasste Geschichte von selbst geschah, hat durch Christoph  Schwarzes Einfall, mit Piktogrammen zu arbeiten und eine Schmuckschatulle umzufunktionieren, die grafischen Aufhänger erhalten, die noch heute unrückbar mit der jungen Erzählstruktur in Verbindung stehen. Das passt und gehört zusammen, war für diverse Buchhandlungen zu innovativ, sprich unverkäuflich. Ob gerade dies für Lieblingsempire, den Verlag, der sich selten so nennt, und den Autor selbst einer der ersten Antriebe war, lässt sich nur noch spekulieren. Dass es aber Christoph war, der im Vorraus fragend auf den Tisch packte, ob ich „Sendawoy“ als private Angelegenheit und quasi Tagebuchzusatz oder doch gewollten Beginn eines Unbestimmten sehen würde, bleibt Fakt und Motor von alledem.

Inspirationen verstecken sich nirgendwo, sodass ein kleines Motiv im Skizzenbuch Spencer-Chalk Levys zu “Navele und das Blau” führte. Dezente Pinselstriche lösten aus, was gelesen einer Fabel glich, die man ähnlich oder ganz anders in einem Kinderbuch seiner Eltern hätte finden können. Zeitgleich war die Arbeit mit Spencer mein erstes Erlebnis, das mir aufzeigte, dass für beide Seiten offensichtlich sein muss, was mit dem Resultat geschehen und wohin die kollaborative Wanderung gehen soll. Das Motiv der Navele findet noch heute seinen Platz im eigenen Wohnzimmer.

Ein Gemälde konnte dementsprechend eine kreative Brücke sein, hingegen die Nächte mit Hörspielen und das Abwegen von Erlebnissen in kleiner Runde den Trialog “Dieser Raum befindet sich im Aufbau” fertigten und dank einer Fotoreihe von Tabea Mathern ihren ästhetischen Anhang fand. Als inoffizielle Haus- und Hoffotografin tat sich neben Tabea außerdem Julia Fischer vor, die sich zu manch spontanem Treff hat überreden lassen, parallel beispielsweise das Rosegarden Magazin rund um Mario Münster von Tag Eins an Gefährte und Unterstützer der eigenen Entwicklung zu bleiben scheint.

Dann passiert es, dass sich eine Liebesgeschichte im intimen Rahmen wie “Moritz & Ivahn” zu einem Großstadtprojekt aufbäumt, wo Illustratoren, Fotografen und Musiker mehr als nur latenten Anteil am Resultat besitzen. Wo ein ganzes Jahr die Querverbindung zu den Menschen legt, die mitarbeiteten. Da gab es massig Schweiß in Berlin-Buchs Naturreservaten, es liefen die Rohversionen des Soundtracks in Dauerschleife, das Datenvolumen des Making of-Ordners konnte man beim Füllen beobachten. Beim Jahr 2014 fallen mir nicht zuerst die privaten Urlaubserlebnisse ein, sondern eben eine laue Sommernacht in Kreuzberg, begleitet von Kamera und spontanen Protagonisten, die den zweiten Videoclip zum Roman anvisierten oder das Gefühl zu bemerken, dass die drei für Portraits und Fotostrecke im Buch ausgewählten Modelle Marc, Marcel und Sophie sich nicht nur miteinander arrangierten, eher wie perfekt gewählt harmonierten. Dass es beinahe schwer fiel, von der Zusammenarbeit loszulassen und mit einem letzten Treffen ad acta zu legen.
Jacobo Labella, ewiger Kanditat für verspielt-idyllische Illustrationen, hat auch nach zwei Jahren Funkstille die einstige Vorstellung wahr gemacht und den Anteil am Buch geleistet, der insgeheim lange Wunsch war.

Jeder Beteiligte sollte mit seinem persönlichen Beitrag nicht nur finanziell, sondern auch künstlerisch, mit veröffentlichten Beiträgen und Interviews, gewürdigt werden. Eben so, dass die Kooperation am Ende doch mehr als nur eine weitere Auflistung für das persönliche Werkportfolio darstellt. Da ist es wilder und sympathischer Gegensatz, dass gerade Fotograf Chris Phillips, welcher sich generell mit Pornceptual in der progressiven Welt der Pornographie austobt, mit der hierbei eher verträumten und zahmen Arbeit als treuer Begleiter durch das Jahr und Buchprojekt in Erinnerung bleibt.

Unvergessen auch die Abende mit den britischen Musikern Matt Parker (Earthkeptwarm) und Kate Smith, welche die Anspannung aus der Veröffentlichung zu “Moritz & Ivahn” nahmen und mir einen der schönsten Leseabende bisher ermöglichten. Matts Aussage, mir Lieder zu einem meiner Bücher zu schenken, war mehr als drei Jahre alt und hatte sich derweilen in verschleppte Hoffnung zerschlagen. Doch die zwei Romanhymnen “Summer in the South” und “Winter in the North” sollten tatsächlich erscheinen, schöner und größer als von mir je gedacht.

Viel gelobt wurde der Abend im Südblock, dabei waren meine Höhepunkte im kleinen Rahmen auf gediegenen Bühnen Berlins und Hamburgs nicht rar gesät. Vom sehr speziellen Auftritt mit Corwood Manual im Voo Store – mehr Hörbuch im Remix denn klassische Buchvorstellung – ist leider kein Bootleg bisher aufgetaucht. Anne Müller habe ich seit unserer einmaligen Zusammenkunft im Playing with Eels als Joker für spätere Projekte in der Hinterhand – nein, das weiß sie noch nicht. Auch die in so vielen Beziehungen anregende musikalische Lesung mit Her Name is Calla, euphorisch und traurig in einem, gab viel mehr, als ich heute, in Schlafkleidung am Schreibtisch, noch auflisten kann.

Wertvoll sind die Momente, in denen man liest und ein jüngeres Ich entdeckt. Dennis Stephan, Autor aus Berlin, hat mich erst neulich erinnern lassen, wie man nach Worten greift und sich in Episoden den Weg zum Leser baut, geradlinig und sympathisch nah. Zurück bleibt der Drang, der Wunsch nach weiteren Mitmenschen und Erlebnissen, die dem eigenen Schaffen ihre notwendigen Nebenwirkungen erteilen, die Arbeit in 3D erscheinen lassen. Die Wechselwirkung muss man lernen, Kooperationen sind Tätigkeit und Ergebnis zugleich.

2015 ist nicht 1912, Berlin erst recht nicht Wien, der Südblock in Kreuzberg kein Kaffeehaus. Es lebt sich dennoch und manchmal auch eben deshalb unbeschwert, manchmal orientierungsfrei, doch in allem inspirierend. Man dokumentiert ohne Hilfe, man schreibt einsam, nicht aber für sich allein.

Ende

Ende

Du Ewigkeit.
Es fehlt der Ausweg, dich zu verschonen,
mit Gefühlen wie Gnade über dir zu thronen.
Zu wenig an Gründen für weitere Stunden,
zu viel Duft vom Ende, wie klaffend die Wunden.

Es fehlt Geduld für feines Umschreiben.

Es wird Zeit, das Leben dir auszutreiben.

Der aus der Gasse

Der aus der Gasse

Gut beraten, das ständ ihm gut,
statt halb verraten, Kopf fern von Mut.
Doch ist er nur er, von Straße Zwei.
Der Freude fremd, der Liebe frei.

Darf ich es sein, der das Herz ihm streift?
Lasst mich es sein, auch wenn das nicht reicht.
Sonst muss er ziehen, von Zwei zur Vier, dort vielleicht gehört er mir.

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