Geschenkt

Geschenkt

Schlaf für mich aus,
ruh für mich mit,
bleib statt meiner zuhause,
schenk mir die Pause.
nimm den Abend an dich,
gönn dir das Rasten,
bloß zu meinen Lasten,
so bleibt das Leben für mich.

Anfang April

Anfang April

Verhalten zeigt sich dein Verhalten,
seitdem der Frühling früher blüht,
verwalten soll ich deine Falten,
derweil die Jugend dir verglüht.

Beseelt blickst du hinauf zum Morgen,
welcher dem Gestern besser stand,
die Freude hier nach dort verborgen,
bleibt des Lebens schönster Pfand.

Tanzen und weinen

Tanzen und weinen

Darkness Falls. Klingt nach Fluch oder vielen Tätowierungen unter vielen Gitarren. Wer es besser weiß, hat Dänemark und die dortige Popszene im Hinterkopf. Da, wo alles angeblich ähnlich klingt, vielleicht aber einfach ähnlich gut. Das Debütalbum roch nach langen Landstraßen bei Nacht und Zelten im Herbst. Quasi der perfekte Soundtrack für Termine mit dem eigenen Rechner und einer epischen Geschichte, deren Kapitel sich stapeln. Da, wo sich der Geheimtipp zur eigenen Inspiration entpuppt, halb ungewollt Teil des Ganzen wird. Den Nebel, Hall und Mythos in Raten hat man dem Zwillingspaar angedichtet, sie geistig schon im Revival von Twin Peaks gewähnt. Bis an jenem Abend, an dem die Kantine am Berghain zum Konzert lädt.

Es fehlt an nichts – da sind tatsächlich Unmengen an Rauch, spukigen Klängen und einer Stimme aus dem bearbeiteten Irgendwo. Doch da ist auch ein glitzerndes Kleid der Sängerin Josephine, das den stilistischen Marsch vorgibt, welcher vom neuen Albumtitel bereits prophezeit wurde: Glitzer und freudiges Tänzeln nach Takt in einem. Von schweren Gesichtern oder Beinen fehlt vor Ort jede Spur, vom angedeuteten 60er-Jahre-Rock sowieso. Plötzlich riecht alles eher nach sympathischen Hits und stickigen Nächten im Gebäude nebenan. Distanz wird von sympathischer Haltung abgelöst. Nichts mit Schweben, dafür bleibt der Rhythmus durchgehend treuer Begleiter. Ich schreibe trotzdem weiter an eben dem Roman von vor vier Jahren, scheinbar auch mit Darkness Falls als Begleitung – es wird wohl Zeit für ein paar Absätze mit Lebensfreude und funkelnden Abendkleidern.

© Foto von HFN Music

Dreimal Alltag

Dreimal Alltag

Eins:
Alltag, bleib bei mir,
bevor die Abwechslung mich besetzt.
Routine, reich die Hände,
Nachtweh, wechsele die Seiten,
gib den anderen wild und schwer vernetzt.

Zwei:
Falsche Sätze fallen nach der letzten Bahn,
richtige Entscheidungen entsteigen dem ersten Wider.

Drei:
Neid ist schwer zu ertragen,
Gier hingegen leicht zu sehen,
das Ende zu oft zu erahnen,
der Umweg selten zu umgehen.

Jahresrückblick 2014

Beflügelte Worte des Jahres

03] Das Allerletzte
02] Weibisch
01] Neues Geschirr

nicht dabei: Wow-Yeah!

Ort des Jahres

03] Zweistrom, Berlin
02] Gorinsee, Barnim
01] Deysinglust, Tabarz

fast dabei: Bucher Forst, Berlin

Stadt des Jahres

02] Prag
01] Göteborg

fast: Rathenow

Spruch des Jahres

05] “Kann man den Kaffee hier trinken?”
04] “Ich schaff’ das nicht mehr!”
03] “Aber du kannst doch putzen!”
02] “Canna getta Falafel afta this?” / Can I get a Falafel after this?”
01] “Oh my god, look at this butt!”

nicht dabei: “Watt will er?”

Weisheit des Jahres

03] “This is not a toilet!”
02] “Nicht anrufen, einfach spritzen!”
01] “Ich bin so endaischt!”

nicht dabei: “wie-man-so-sacht”

Persönlichkeit des Jahres

03] Gert Westphal
02] Dalapferd
01] alle Ex-Mitbewohner

nicht dabei: Herbert & Petra

Entdeckung des Jahres

05] Karaokekabinen
04] Playmobilangebot
03] Hörbücher
02] Aussicht auf ein Landleben
01] Familienstammbaum / Ahnenforschung

fast dabei: Tanzen vor der Klotür

Songs des Jahres

10] Wild Beasts: A Simple Beautiful Truth
09] Beck: Blue Moon
08] Tony Bennett & Lady Gaga: Anything Goes
07] We Have Band: Someone
06] Hozier: Take Me To Church
05] Dillon: A Matter Of Time
04] Lykke Li: I Never Learn
03] Dum Dum Girls: Cult Of Love
02] The Antlers: Palace
01] Perfume Genius: Queen

nicht dabei: Band Aid 30: Do They Know It’s Christmas Time (deutsch)

Album des Jahres

03] The Antlers: Familiars
02] Alt-J: This Is All Yours
01] Perfume Genius: Too Bright

fast dabei: Lykke Li: I Never Learn

Musikvideo des Jahres

03] Kiesza: Hideaway
02] Sia: Chandelier
01] Vance Joy: Riptide

fast dabei: Earthkeptwarm: Summer In The South

Veranstaltung des Jahres

05] Lykke Li: Admiralspalast, Berlin
04] Hochzeit F & V, Berlin
03] The Antlers: Lido: Berlin
02] Aerosmith: 02 Arena: Berlin
01] Urlaub Skandinavien

fast dabei: Anything goes – Geburtstagsfeier, Rote Insel Salon, Berlin

Film des Jahres

03] American Hustle
02] Dallas Buyers Club
01] Only Lovers Left Alive

nicht dabei: Fähre zur Zärtlichkeit

Medium des Jahres

03] Spotify-App
02] Leere Bücher / Ordner
01] Geo Epoche, Zeitschrift

nicht dabei: Radio

Webseite des Jahres

01] www.moritz-ivahn.de

nicht: www.facebook.com

Fernsehsendung des Jahres

03] 14 -Tagebücher eines Weltkriegs
02] Boardwalk Empire
01] House Of Cards

fast dabei: Neo-Magazin

Farbe des Jahres

01] Aubergine

fast : Petrol

Getränk des Jahres

03] Wodka Orange
02] Wasser (aus dem Kühlschrank)
01] Apfelcidre (Kingswood / Somersby)

fast dabei: Apfelmusrumpunsch

Leckerei des Jahres

03] Reese’s
02] Belegte Baguettes vom Prager Spätshop
01] Ziegenfrischkäse

fast dabei: Kürbissuppe

Instrument des Jahres

01] Mundharmonika

nicht: Saxophon

Erfahrung des Jahres

05] Pilzsammlungen mit ohne und mit sehr viel Erfolg
04] fortziehende Freundschaften
03] Hütten- statt Zelturlaub
02] BVG in allen Facetten & Fernbusfahrten
01] Brandenburgs sommerliche Aura

nicht dabei: Autounfall mit Totalschaden

Selbstgeschafftes des Jahres

03] Maulli & Euli – Eine neue Freundschaft, Hörspiel
02] Brautstraußfangung
01] Moritz & Ivahn, Roman

fast dabei: Krawallmiezen-Debüt (live)

Aussicht für 2015

01] “Everything is 1% vegan!”

fast: “Sommer ist immer. Irgendwie.”

Druckfrisch

Druckfrisch

Aus der Druckerei entlassen, noch frisch und unberührt & nun auch für alle sichtbar: der auf seine Leserschaft wartende Sommerroman „Moritz & Ivahn“.

Christian Ludwig

Christian Ludwig

Nicht nur Autoren fragen mehr, als dem Umfeld lieb sein dürfte, auch die Mitarbeitenden am Gemeinschaftsprojekt “Moritz & Ivahn” stellen Fragen auf, denen Christian Ludwig wenig widerwillig Antworten geschenkt hat.

Jacobo Labella: From where comes the idea about “Moritz & Ivahn”?

Es ist schon zwei Jahre her, aber ich kann mich noch genau erinnern. Achtung, das könnte jetzt herrlich romantisch rüberkommen: als ich mich mit diesem leeren Buch in eine Bar setzte, Pfefferminztee und schweren Kuchen bestellte, mir der Wunsch kam, einfach eine geradlinige Liebesgeschichte zu schreiben. Mal die seltsamen Momente rauszulassen, die komischen Gedanken zu ignorieren. Hm, um Liebe oder ähnliches drehte sich die anfängliche Kurzgeschichte tatsächlich, das mit der schnörkellosen Erzählung dagegen klappte nur bedingt. Ganz so einfach ist es im echten Leben ja auch selten, hab’ ich gehört.

Marcel Danner: Christian, im Endeffekt hast du dich für drei Menschen entschieden, die die Protagonisten deines Romans verbildlichen, welche du dir ursprünglich völlig anders vorgestellt hast. Was hat dich dazu bewegt?

Entscheidet man sich bei einem Roman für Illustrationen und Fotografien, kann es letztlich zwei Ausgangslagen geben: die Geschichte strikt inhaltsgerecht zu bebildern oder eben das Gefühl der Geschichte in Momente zu fassen. Wir haben uns für Variante Zwei entschieden. So ist es weniger ein Daumenkino des Romans, als ein beinahe eigenständiger Zusatz geworden, bei dem die Bilder und deren Atmosphäre wichtig sind, nicht das sofortige Zuordnen zu Seite 15, Absatz 67 oder so.

Janka Eckert: Wieso hast du so viele unterschiedliche visuelle Elemente in das Projekt eingebaut?

Man weiß ja von sich selbst, wie schnell man sich beeinflussen lässt und sich um die Chance einer eigenen Vorstellung bringt. Doch mir war das Nutzen von Fotografie und Illustration zu wichtig und zu sehr mit der ursprünglichen Idee zum Buch verbunden, als dass ich sie hätte weglassen können. Also mischen sich unterschiedliche Gesichter zu den Figuren, ob abgelichtet, gemalt oder im Musikvideo. So verschwimmt das Bild eines Ivahns zu einer Mischung aus unterschiedlichen Protagonisten und der eigenen Phantasie.

Eike Schmücker: Wieso taucht die Romanfigur Anna nicht im Buchtitel auf?

Vor zwei Jahren hatte der Roman noch einen anderen Namen – ein Zitat aus dem Text. Im Kopf hatte ich aber schnell nur noch die beiden Namen Moritz und Ivahn, wenn ich mich an das Schreiben setzte. Die Variante mit Anna gab es kurzzeitig auch, aber die Wichtigkeit einer Person hängt ja nur bedingt mit dem Buchtitel zusammen. Oh, mein letzter Satz klang aber wie billig aus der Frage rausgewunden.

Joseph Wolfgang Ohlert: Kannst du dich noch daran erinnern, welches Buch du als allererstes selber gelesen und welches du auch für gut empfunden hast?

Ich liebte als Kind schon Sagen, Märchen und was nach Natur und eigenwilligen Persönlichkeiten roch. Thüringen eben. Daraus mussten meine Eltern wohl häufig lesen. Dabei waren Hörspiele mein größter Einfluss, die Sprecher teilweise meine unbewussten Helden, aber auch die musikalische Begleitung bei den alten Aufnahmen hatte es ordentlich in sich. Und gebt mal “Allegro, das kleine Pony” in eine virtuelle Suchmaschine ein, dann habt ihr meine erste Literaturerfahrung, Satzende.

Matt Parker: Where is the furthest you have travelled on a road trip and what did you find?

Ich denke an einen Ort namens Vada in der Toskana, mein Auto ohne Klimaanlage und einen fast leeren Strand. Gefunden habe ich Sonnenbrand und meine Schweißdrüsen.

Matt Koslowski: Du veröffentlichst nun schon zum vierten Mal über Lieblingsempire. Hat die Zusammenarbeit dein Schaffen beeinflusst?

Ein Ort, wo man quasi erstmal denkt und schreibt, was man möchte, ohne Reissbrett oder Berechnung eines Endprodukts, hat meist positiven Einfluss. Ich mache mir selbst eher im Nachhinein Gedanken, ob im Text mehr pikante Situationen oder nackte Haut angebracht gewesen wäre oder wie ein anderer Verlag den Buchtitel plakativer gewählt hätte.

Christoph Schwarze: Warum tust du dir den Idealismus, die roten Zahlen und den Stress des Selbstveröffentlichens an?

Das Leben ist nicht immer eine Rechnung oder die Summe der logischen Teile. Ein Bekannter meinte vor vielen Jahren mal, das Leben als Autor wäre meine Bühne. Fand ich damals dubios, heute fast passend. Irgendwie muss der Spuk eben raus, ansonsten würde ich wohl unglaublich mies schlafen.

Christian Ludwig: Wird es eine Fortsetzung der Liebelei um Ivahn, Anna und Moritz geben?

Ich weiß, dass meine drei schönen Models quasi parat stehen, aber ob man auf den offiziellen Winterroman zu “Moritz & Ivahn” hoffen sollte, steht irgendwo in den Sternen oder geheimen Akten meines Agenten.

Weitere Informationen zum Buch unter www.moritz-ivahn.de

Foto: Lieblingsempire

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