Tanzen und weinen

Tanzen und weinen

Darkness Falls. Klingt nach Fluch oder vielen Tätowierungen unter vielen Gitarren. Wer es besser weiß, hat Dänemark und die dortige Popszene im Hinterkopf. Da, wo alles angeblich ähnlich klingt, vielleicht aber einfach ähnlich gut. Das Debütalbum roch nach langen Landstraßen bei Nacht und Zelten im Herbst. Quasi der perfekte Soundtrack für Termine mit dem eigenen Rechner und einer epischen Geschichte, deren Kapitel sich stapeln. Da, wo sich der Geheimtipp zur eigenen Inspiration entpuppt, halb ungewollt Teil des Ganzen wird. Den Nebel, Hall und Mythos in Raten hat man dem Zwillingspaar angedichtet, sie geistig schon im Revival von Twin Peaks gewähnt. Bis an jenem Abend, an dem die Kantine am Berghain zum Konzert lädt.

Es fehlt an nichts – da sind tatsächlich Unmengen an Rauch, spukigen Klängen und einer Stimme aus dem bearbeiteten Irgendwo. Doch da ist auch ein glitzerndes Kleid der Sängerin Josephine, das den stilistischen Marsch vorgibt, welcher vom neuen Albumtitel bereits prophezeit wurde: Glitzer und freudiges Tänzeln nach Takt in einem. Von schweren Gesichtern oder Beinen fehlt vor Ort jede Spur, vom angedeuteten 60er-Jahre-Rock sowieso. Plötzlich riecht alles eher nach sympathischen Hits und stickigen Nächten im Gebäude nebenan. Distanz wird von sympathischer Haltung abgelöst. Nichts mit Schweben, dafür bleibt der Rhythmus durchgehend treuer Begleiter. Ich schreibe trotzdem weiter an eben dem Roman von vor vier Jahren, scheinbar auch mit Darkness Falls als Begleitung – es wird wohl Zeit für ein paar Absätze mit Lebensfreude und funkelnden Abendkleidern.

© Foto von HFN Music