They all love Bonbongirls

Der Blick hängt so tief wie das akurate schwarze Pony und trifft wandelnd durch die vorbei laufende Meute des Stadtzentrums bzw. direkt in den Spiegel der Schminkkommode. Ein gut inszeniertes Grinsen wird sogleich wieder von ernster Miene zum großen Spiel eingeholt. Der Weg gleicht einem Catwalk, nur dass man über der imaginären Paparazzi steht und zielgerichtet voran schreitet. Hochhackig, einer Ballerina ähnlich und doch fast ohne das unsympathisch großstädtische Zickenelite-Flair. Das Kleidchen sitzt eng, wirkt klassisch, dennoch erinnert es leicht an Schneewittchen, welche leider häufiger aus dem Suppentopf nascht, sobald die Zwerge aus dem Haus sind. Wenn schon keine Kirschen an den Ohren hängen, hat sie irgendwelche Früchte auf dem Nachtschrank stehen oder als neckisches Motiv auf dem erwähnen Kleid mit großer Schleife plus Leggins darunter. Sie umgibt sich gerne mit weiteren Geschlechtsgenossinnen, die müssen ihr jedoch zumindest das visuelle Wasser und Cocktail halten, wenn schon nicht reichen können. Tanzbewegungen nach Mitternacht sind möglich, jedoch selten ausladend, schließlich ist sie mehr als der feminine Mob und für weniger zu haben, als man erhoffen könnte. Sie nennt es selektiv und individuell, die Jungs hinter vorgehaltener Hand eher prüde, frigide und mehr Schein als Sein. Statt dem wechselnden Knall nimmt sich das sogennante Bonbongirl lieber Zeit für die verkappte Rollenverteilung. Leckere Eigenkreationen am Herd sind ihr wohl gesonnen, gegen Heimarbeiten wie nasse Wäsche aufhängen und kreative Umräumaktionen in den vier Wänden hat sie nichts einzuwenden. Das Bonbongirl ist die junge Prinzessin des neuen Jahrtausends, Lily Allen und Katy Perry machen es zum guten Beispiel vor. Plakativ lieblich, doch es lohnt sich immer, die Kratzbürste hinter den frisch lackierten Fingern zu halten. Zur Belohnung gibt es möglicherweise ein Bonbon ohne Gegenleistung.