Verse

Herbstferien in Neuengland. Teil Zwei.

Vier Nächte in Providence.

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Es war nicht die Hope Street,
die man stets mied.
Oder der Swan Point Cemetery,
welcher laut nach Enge schrie.
Nicht Stephen Hopkins Fährte,
der man sich verwehrte.
Eben nicht die State House Silhouette,
die zu gern von allem mehr noch hätte.
Nicht die ersichtliche Furcht vor Feuer,
die die Stadt nie beteuert.
Auch nicht Roger Williams im Prospect Park,
der einen hübschen Blick verbarg.

Es war der kompakte Ocean State,
der in Sachen Atmosphäre berät.
Das Wetter aller Möglichkeiten,
die einen durch dieses Neuengland begleiten.
Der herbstliche Farbkreis,
der um seine jährliche Route weiß.

In Rhode Island scheint die Welt noch klar,
bleibt Hast verdeckt, wirkt Chaos rar.

Herbstferien in Neuengland. Teil Eins.

Ach, Boston.

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Auf drei sich dehnende Joggende kommen nicht weniger als fünf Parkhörnchen frei von Scham. Einem minderbelüfteten U-Bahn-Schacht entsteigen aus dem lauten Nichts vier hilfsbereite Einheimische.

Junge Menschen werden von Fremden beim Lernen auf dem Harvardgelände fotografiert, Memorial reimt sich urplötzlich auf alles. Mitmenschen schauen dich persönlich an, schon die Revolution hat sich einst überall selbst vorher gesehen.

Zeig‘ mir den Weg am Charles River, ich schenke dir zwei meiner Stunden auf dem Freedom Trail. Gib mir rote Backsteine, ich bau‘ dir Boston, Massachusetts.

Der Pakt

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Innere Sicherheit liegt mir am Herzen, darum nimm‘ diese Worte an mit Schmerzen.

Halte Abstand von dir und den Gedanken, die aufrecht stehen, nie trübe wanken.

Weiche nicht aus dem Übermut, umstell‘ die Lust, besetz‘ die Wut.

Beende Blässe, die nach Ruhe stinkt, nach Zierde ruft, der Stille winkt.

Nimm bitte dir mehr Schwarz vom Weiß, bestenfalls bin ich dein Preis.

Es war kompliziert

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Lass‘ diesen Gedanken mein letzter sein, für uns und das Zusammensein, das mehr besteht aus dem, was war, kaum an morgen denkt oder an Alltag gar.

Die Zeit vergisst, macht sich vom Vorwurf frei, wie arg der Kampf auch gewesen sei, sei nicht bös‘ um das Ende bald, scheint die Verbindung alt, beinahe kalt.

Jahreswechsel

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Diese Erkenntnis muss man loben – ich wurde um den Sommer betrogen.

Nun argumentiere ich ganz ungelenk – der Winter ist mein Trostgeschenk.

Wahltag

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Berlin,

deine Laternen sind geschmückt, seit Wochen schon bin ich entzückt, von Hass in Blau, der Faust in Braun, die dumpfe Wut garniert das Grauen.

Euch wird’s zu voll, zu bunt und fremd, dieses Gefühl bleibt ein Geschenk, für gemalte Teufel an der Wand, die Furcht reicht Halbwissen die Hand.

Die Hauptstadt stellt die Urnen auf, darauf verhindere du den schiefen Lauf.

Gedanken aus dem Sommerloch. Folge 3

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Eine Liebelei namens Bergen.

Urban dürfen die anderen Städte sein, die gierig nach reisenden Menschen schreien.
Du zeigst dich erkenntlich mit Atmosphäre, welche in einem Mehrteiler nur umzusetzen wäre.

Es riecht nach Fisch und schmeckt nach Hauptstadt der Herzen, klingt nach Herrn Grieg, Emperor und hanseatischen Scherzen.

Zum Schutz, gar zur Wehr rufst du von oben die Massen, zum Erhalt von Hafen und deiner zeitlosen Gassen.

Die anderen lassen ihr Geld, ich meine Gefühle, du dafür leichte Schwere und behagliche Kühle.

Es braucht kaum Frau Skram und Kirchen aus Stäben, um mir eine Handvoll Norden zu geben. Um auf den Serpentinen deiner Geschichte zu gehen, folgt kein halbes Leben für ein Wiedersehen.

Gedanken aus dem Sommerloch. Folge 2

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Hinter die Kulisse Norwegens.

Die Temperaturen halbieren sich,
mein Auge arbeitet für zwei.

Jede Gasse schmückt eine Statue,
Fjorde verzieren sich selbst.

Ich gewinne immer wieder an Höhe,
die Berge verlieren an Bäumen.

Das Wasser fällt laut in Massen,
die eigene Geschwindigkeit steigt niemals.

Ich bin ein Opfer der Mücken,
niemand juckt plötzlicher Regen.

Elchwarnschilder schüren Hoffnung,
Waldsilhouetten lieben Black Metal.

Gemalte Wolken brechen auf,
Wohnwagen bleiben stehen.

Rote Häuser kopieren sich in guter Weise,
eigenhändig stapeln soll man Steine.

Fahrten im Slalom haben ihren Preis,
der Norden hantiert mit großen Zahlen.

Tage besitzen keinen Namen,
Stunden sind nach Ortschaften benannt.

Gedanken aus dem Sommerloch. Folge 1

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Der Urlaub und ich.

Vom Alltag enteignet, der Scheuklappen frei,
mit Neugier bekleidet oder was die Ferne auch sei.
Im Rucksack ein Gespür, welches Schwere beleidigt, den Kreisel halbiert,
die Nähe beseitigt.
Die Sorgen halten stand, der Gedanke mag gehen, der Sommer als Pfand, dessen Ende bekannt,
die Ferien bestehen.

Gerechtigkeit als Ziel

Gerechtigkeit als Ziel

Ist es ein Streich, den Takt zu ändern,
all die Systeme in sich auszuhöhlen?
Ist Neuerung auch gut zugleich,
wenn wir an das Alte uns haben zu gewöhnen?

Soll das Bisher jetzt Feind genannt sein,
gelobt das Morgen Besserung?
Macht verdeckter Schmutz nun besenrein,
erfährt Leben bald Verwässerung?

Die Antwort zeigt sich durch Entscheidung,
gelöst sind Probleme durch Verdrehen.
Zum Frühstück schon gibt es Verzweiflung,
als Abendmahl das große Flehen.

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