Verse

Tauschbörse

Tauschbörse

Reich mir mal dein Leben,
gib doch her das Heut‘.
Entfache bitte kurz das Streben,
bekämpfe den Schlaf daneben,
her mit der Hoffnung – schön, fast unbereut.
Leih nur rasch dein Licht,
das Lodern brauch ich nicht.

Jenes Verhalten

Jenes Verhalten

Er hielt nicht sein Versprechen,
nicht seine Stellung,
kaum den Verstand.
Er hielt mich für einen Derwisch,
hielt keine Reden,
doch eines hielt er – meine Hand.

Thronwärts

Thronwärts

Erobert willst du werden,
zerrissen bis zuletzt,
dein Blick nah dem Gejagten,
deine Haltung fern dem Fest,
umgarnt von Liebe und den Worten,
sitzt du aus den Rest.

Zweimal peripher

Zweimal peripher

Die Füße hängen unter meinem Tisch, stehen unter meiner Gewalt.

Sollen sie mich doch zurück lassen, alleine, als letztes Stück einer
Kette, die niemanden tragen möchte.
Sollen sie mich bloß vergessen, nur zu, ganz ohne einen Stempel unter
meinen Namen zu setzen.
Letztlich ist das Aussitzen mehr Kampf denn Sport,
das Warten weniger Not statt Entscheidung.

Der Urheber

Der Urheber

Dem Umstand war’s geschuldet, dem Umtrunk noch dazu.
Dem Schicksal ward gehuldigt, dem Karma ohne Ruh.
Die Zeichen waren deutlich, jenes Dilemma schon zu sehen.
Die Aura kaum erfreulich, der Winde längst am Drehen.

Sonderdelikt

Sonderdelikt

Wohl dem,
der die Fackel entzwei bricht.
Wohl dem,
der langes Fackeln durchbricht.
Wohl dem,
der der Reise entsagt.
Wohl dem,
der sich dem Gesagten entreißt.
Wohl dem,
der das Lachen verbannt sieht.
Wohl dem,
der sich lachend verbannt.
Wohl dem,
der lässt Taten in Ruhe verblassen.
Wohl dem,
der im Verblassenden ruht.
Wohl dem,
der das Wassernetz entfischte.
Wohl dem,
der Fische durch Wasser benetzt.
Wohl dem,
der die Nächte belagert.
Wohl dem,
der das Lager verneint.
Auf den,
der das Ende besiegelt.
Auf den,
der das Siegel beendet.

Dem Edelmann

Dem Edelmann

Sonntag Abend im September eines Jahres, nicht fern von heut,
war es die Tristess des Herbstes, noch mehr das Geläut –
eines Herren in Schale, ich sage gar ein Edelmann,
der um Unterkunft bat, in sanften Augen, kein Zeichen von Wahn.
Das Haar wie gestriegelt, die Wangen gebügelt.
Stand er in der Tür, da bürg ich für.
Er strahlte nach außen, ließ Zauber von dannen,
sprach in Lettern der Wahl, leicht und besonnen.
Unterschlupf verwehren gehört verboten, verbannt,
war die Zeit auch nicht da, so rasch er da stand.
Vom Norden musste er kommen, viele Stunden der Reise,
roch nach Urlaub und Freiheit, so viele raue Verweise.
Der Handschlag ein Windhauch, die Arme wie Stein,
das Hemde zu eng, mein Erröten die Pein.
Eine Nacht nur – waren die seinen Worte,
ob Flur oder Hofstall, keine Bedingung der Orte.
Ein Wasser vielleicht, womöglich mit Sprudel,
es bellt aus der Einfahrt, zwei Dackel – kein Rudel.
Alles durchdacht, sie sitzt fest, die Etikette,
kein Schritt zu flott, kein Schielen gen Bette.
Der Mond hängt tief, die Stimmung schief,
als der Sekt von spritzig auf gleich, die Rachen erreicht.
Die Finger tasten sich vorwärts, errreichen ein Ziel,
das nackt sich zeigt, während Scham entfiel.
Ein Streichen hier, zwei Griffe da,
Spätseptember bei Nacht – gar wunderbar.
Soll der Wind heulen und rasseln das Laub,
der Moment blüht aufwärts, kämpft wider dem Staub.
Des Edelmanns Antlitz verfärbt sich, gedeiht,
vier Beine so dicht, zwei Monde befreit.
Der Morgen kommt frisch, gebettet in Stücken,
es deckt sich der Tisch, es geht das Entzücken.
Ein Kratzen, ein Schaudern, vom Zeh bis zum Schopfe,
ein Stechen, ein Jucken, es wuchert der Kropfe.
Was war geschen, wie ist es ergangen?
Unsichtbar hatte sich Kleines verfangen.
Adieu all der Schönheit, dem frohen Lobpreisen,
soll der Mann ohne Koffer doch dahin verreisen,
wo Jucken ist Zierde, wo Rötungen Wunder,
ich fern von Begier, da die Klarsicht nun munter.
Da half nicht der Blick, kein lieblich Gesang,
vorbei war die Mär, lebwohl leichter Fang,
ich bereue es sehr, von wegen edel, der Mann!

Zur Krise

Zur Krise

Was du gehofft und ich gebangt,
was uns geschlagen, halb verzankt.

Das dich entrüstet, mich erbost,
was uns genützt wie Pech und Moos.

Der dich lässt straucheln, mich gar fallen,
den Kater fauchen, samt Sturz auf Ballen.

Du der Sätze drei, ich derer vier,
du es verdeckst, ich gönn es mir.

Wie du’s nicht wünschst und ich nicht dulde,
es uns entzweit – das Zwei zur Mulde.

Erwarten

Erwarten

Erwarten ist des Kindes Last,
ist der Mutter Luft,
ist der Geliebten Lust.
ist des Fuchses List,
ist der Toten Licht,
ist des Alltags Loch.

Ihmchen, Ihmchen

Ihmchen, Ihmchen

Man nennt ihn Ihmchen, Ihmchen oder nichts,
übersehbar ist Trumpf, fern von Glitzer, auch Licht.

Der Blick in die Ecken, er durchforstet nach mehr,
stumm und leise, voll Zwang, frei von Gewähr.

Das Suchen auf der Stirn, seichtes Hoffen dazu,
ein Getränk teuer bezahlt, keine Wende im Nu.

Würde einer nur schauen, einer nur sehen,
ein kurzes Blinzeln, noch knapp vor dem Gehen.

Wo ist die Luke, die Luke zum Glück?
Wer kennt den Pfad Richtung Morgen, zumindest ein Stück?

Ihmchen, das Ihmchen, er doch mehr klein als groß,
Gedränge am Tresen, leer bleibt der Schoß.

Zum Gewinnen gekommen, den Ausgang zu zweit,
Ihmchen, der Gute, dem Lieben geweiht.

Und siehst du das Ihmchen, überreich ihm dein Lachen,
eins freudig, eins wissend, kein Schmunzeln entfachen.

Bist du selbst mal das Ihmchen, so sei dir gewiss,
ein Abend in der Ferne, dem Wechsel ein Riss.

Aus der Not mach die Tugend,
aus dem Lob dir die Jugend,
aus dem Ihmchen das Ich,
dem Fragezeichen ein Mich.

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