Verspätete Neujahrsansprache

Alles so frisch, unberührt und grau und trist als silvesterische Nachwirkung. Irgendwo zwischen der Endjahresausgabe der Bild der Frau und dem eigenen Neujahrstreiben ergreift einen das Thema. Dieses, welches mehr Dauerwitz oder Reihe der Hanebüchigkeiten darstellt statt tatsächlicher Jahresführer.

Vorsätze. Vorsätzliche Tätigkeiten sind doch aber uncool. Pläne sind Häme, wer will schon ein Leben am Reißbrett? Sollte sich das Abgewöhnen vom Nägelkauen, der überhöhten Zuckerzufuhr oder dem wenig sauerstoffreichen Freizeitverhalten nicht im Verlauf ein- und eine Entwicklung darstellen. Ganz ohne terminlichen Zwang. Gut, ohne Druck, und sei es nur der kollektive, sind so manche Laster oder Angewohnheiten kaum über Bord zu werfen. Da helfen unausgesprochene Fristen rein gar nichts, da wird schneller unter den Tisch gekehrt als generell gesäubert.

Stillstand ist der Welten Hohn, dementsprechend futuristisch bzw. progressiv müssen die Neujahrsaussichten bestenfalls empor steigen. Die satte berufliche Neuorientierung, Erfüllung eines lange verdrängten Tagtraumes oder das beziehungstechnische Duo zulassen, welches grundsätzlich eh nicht mehr als Formsache war. Doch neben wünschenswerten Perspektiven ist Realtitätsnähe angesagt. Das Ziel ist letztlich nichts weniger als die Methode zum Scheitern, die Problemlösung nur unwohles Übel. Vorsätze sind Schall und Rauch, alljährliches Beiwerk ohne Verbindlichkeit. Gut so, Absätze bzw. deren Träger wollen schließlich auch oft höher hinaus als tatsächlich möglich.