Wer bin ich?

Ich bin mächtig, sehr mächtig sogar. Viele Leute bauen auf mich, legen all ihre naive Hoffnung auf mein Erscheinen. Ich zeige mich im Vorfeld bereits einige Male Zaunpfahl-winkend. Als Teaser und Appetitmacher auf das was noch kommen soll. Wie die Leute es lieben, über mich zu sprechen. Sie können mich teilweise gar nicht erwarten bzw. sind sauer, wenn ich mich mal verspäte. Dabei bin ich lediglich der inoffizielle Übergang zum vermeintlichen Höhepunkt. Ich bin Mittel zum Zweck, Alibi für allgemeine Seltsamkeiten. Ich schaue rein und schon geht es los: Tierparks erweitern ihr Streichelzoo-Angebot, Männer lockern ihre Hemdknöpfe, Frauen lecken an Eiskugeln, Senioren verdrücken eine wehmütige Träne und Kinder springen unwissend jauchzend im Dreieck. Sicher, ich bin glänzend und gut ausgeleuchtet, fast rein und positiv gestimmt. Aber im Grunde will ich all die hormonwankenden Existenzen lediglich verwirren. Das schaffe ich nahezu perfekt. Wie es sie auswärts zieht, mit der unausgesprochenen Angst etwas zu verpassen. Ich krieg sie alle und sie dank mir ihren Spaß: verlegenes Grüßen, Austausch von Telefonnummern, Heavy Petting, raumgreifende Gebärmütter. Plötzlich sehen sie ihre Nachbarn, die Farbe Grün und fremde Haut mal wieder direkt vor Augen.

Ich bin schon ein stets wiederkehrender Fuchs, ein beliebter noch dazu, und dass sich niemand meiner Daumen-hoch/Kopf-hoch-Präsenz entziehen kann, macht mich in meinem Viererbund stets so triumphierend. Was ich aber mit blauen Bändern zu tun haben soll, überlasse ich denen, die sich angeblich damit auskennen.